Zwischen Tradition und Neuanfang: die kroatische Sprache seit 1990

Textkasten
aus OWEP 3/2013  •  von Bernhard Brehmer

Kroatisch (hrvatski jezik) ist die in der Verfassung von 1990 offiziell verankerte Staatssprache der Republik Kroatien und bildet zusammen mit den Nationalsprachen der Nachfolgestaaten Jugoslawiens (Bosnisch, Makedonisch, Montenegrinisch, Serbisch, Slowenisch) und Bulgarisch den südlichen Zweig der slawischen Sprachfamilie. Während das Kroatische in der jugoslawischen Periode noch offiziell als eine der Varianten des Serbokroatischen galt, erfolgt seit der staatlichen Unabhängigkeit ein durch z. T. rigorose sprachpolitische Entscheidungen vorangetriebener Ausbau, der v. a. darauf abzielt, die Unterschiede zum Serbischen zu vergrößern. Dieser Ausbau betrifft besonders den Wortschatz, indem neben den schon früher bekannten Kroatismen (z. B. kolodvor „Bahnhof“ statt serbisch stanica) nun neue hinzutreten, die oftmals Internationalismen, die im Serbischen verwendet werden, ersetzen sollen, z. B. preslika „Kopie“ (wörtlich „Abbild“) statt kopija. Neben Neubildungen spielt auch der Rückgriff auf ältere schriftsprachliche Traditionen aus der vorserbokroatischen Periode eine wichtige Rolle. Außer dem Wortschatz sind die Orthographie, die Wortbildung und in geringerem Maße die Formenbildung und der Satzbau vom Sprachausbau betroffen.