Ohrid: See und Stadt

Textkasten
aus OWEP 1/2015  •  von Vlatko Stojanov

Einen Gegenpol zum Ökotourismus der Nationalparks bildet die Stadt Ohrid am gleichnamigen See. Die Einheimischen nennen die Stadt gerne „biser balkanski“ – „Perle des Balkans“ und den See „naše more“ – „unser Meer“; schließlich hat Makedonien keinen Meereszugang und nicht immer sind bei einem Bad in der Weite des Wassers die gegenüberliegenden Berge auf albanischer Seite im Blick. Umliegende Karstquellen speisen diesen ältesten See Europas, der die weltweit größte Dichte an Tierarten, die nur hier vorkommen, aufweist. See und Stadt zusammen tragen wie nur wenige Orte der Welt gleichzeitig die UNESCO-Titel Natur- und Kulturerbe.

Mit den sprichwörtlichen 365 Kirchen – eine für jeden Tag im Jahr – und ihrer reichen Geschichte als mittelalterliches Zentrum altkirchenslawischer Literatur und Kunst wird die Stadt Ohrid bisweilen als „Jerusalem des Balkans“ bezeichnet. 2001 war Ohrid Unterzeichnungsort und Namensgeberin des Friedensvertrags zwischen Vertretern der makedonischen Mehrheitsbevölkerung und albanischen Aufständischen im Land.