Erklärung der Religionsgemeinschaften in Rumänien zur Integration in die Europäische Union

aus OWEP 1/2001  •  von OWEP-Redaktion
  1. Wir, die Unterzeichner dieser Erklärung, drücken im Blick auf unsere Verantwortung für die Unterstützung des Integrationsprozesses Rumäniens und auf die allgemeine Situation unseres Landes unsere aktive Unterstützung für diesen Prozess aus. Weil wir immer Europäer gewesen sind, machen wir selbstverständlich Anstrengungen für diesen Prozess weil wir überzeugt sind, dass diese Integration sowohl dem Interesse unserer Gläubigen als auch der ganzen Gesellschaft von Rumänien dient.

  2. Die religiösen Glaubensgemeinschaften Rumäniens sind eine essenzielle Komponente der rumänischen Gesellschaft von heute und leisten einen wichtigen Beitrag zum geistlich-sozialen Leben Rumäniens. Wir sind sensibel sowohl für die Schwierigkeiten als auch für die Fortschritte des Landes. Unter den Bedingungen eines totalitären kommunistischen Regimes, das nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt wurde, versuchte man die Einschränkung und sogar den Ausschluss religiöser Glaubensgemeinschaften von aller aktiven Teilnahme am Leben und an den Bedürfnissen der rumänischen Gesellschaft.
    Trotz dieser Schwierigkeiten hörte das religiöse Leben in Rumänien nie auf zu existieren. Mehr noch, die religiösen Gefühle trugen zur Aufrechterhaltung unserer Identität, zur Erhaltung einer authentischen Kultur und zum Streben nach Demokratie und Freiheit bei. Nach 1989 beteiligten sich die Glaubensgemeinschaften Rumäniens im Kontext der radikalen Verwandlungen der rumänischen Gesellschaft an der moralischen, sozialen und geistlichen Erneuerung unseres Landes.

  3. Die Nationale Bewegung von Snagov im Jahr 1995, bei der Vertreter der politischen Parteien und anderer Institutionen Rumäniens eine Beitrittserklärung Rumäniens in die europäischen Strukturen unterschrieben, drückte die Tatsache aus, dass man für die Verwirklichung der europäischen Einheit der geistlichen, kulturellen und sozialen Dimen-sion höchste Bedeutung beimessen muss. Zur Beschleunigung des Beitritts in die Europäische Union verfasste man eine mittelfristige nationale Strategie für wirtschaftliche Entwicklung. Seite an Seite mit den Entscheidungsträgern der rumänischen Gesellschaft stehen auch die religiösen Glaubensgemeinschaften bereit zur Erarbeitung der endgültigen Form dieser Strategie.

  4. Im Blick auf die Integration in die Europäische Union bezweckt Rumänien nicht nur die Erlangung von assoziierten Rechten mit seinem Mitgliedsstatus, sondern möchte auch die sich aus dem Beitritt ergebende Verantwortung übernehmen. Rumänien hat ein umfangreiches religiöses Leben und ist bereit, zur Bereicherung des geistlichen und kulturellen Erbes Europas beizutragen, durch erneute Achtung vor Leben, Menschenwürde, Eigentumsrecht, Familienwerten und der menschlichen Solidarität, ebenso wie durch eine besondere Aufmerksamkeit für Meinungs-, Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit.
    Der Prozess der europäischen Vereinigung, der hauptsächlich als wirtschaftliche Vereinigung gesehen wird, kann durch eine spirituelle Bereicherung vollkommen werden. Rumänien hat seine eigene geistliche Identität beibehalten, die sich im Verlauf der Geschichte neben anderen europäischen Ländern modelliert hat, und somit wird Rumäniens Beitrag den Wert des geistlichen und kulturellen Reichtums Europas steigern.

  5. In diesem Sinne glauben wir, dass gemeinsame Veranstaltungen der religiösen Glaubensgemeinschaften Rumäniens gut wären für eine bessere Verständigung der religiösen Konfessionen und nützlich für einen größeren Beitrag zum geistlichen und wirtschaftlichen Leben des heutigen Europa.
    Deshalb bekräftigen wir unsere Disponibilität, an der Lösung der sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes teilzunehmen und dadurch zum Integrationsprozess in die Europäische Union beizutragen. Probleme der Glaubensgemeinschaften, wie z.B. Rückgabe des Besitzes der Glaubensgemeinschaften, Religionsunterricht an den Schulen, Unterstützung des Staates für die sozial-karitative Tätigkeit, werden im Beitrittsprozess in die Europäische Union gelöst werden.
    Die kulturellen und religiösen Eigenheiten jeder Nation sind Bindemittel und Bereicherung für ein stabiles und vereinigtes Europa, nicht Konfliktfaktoren, wie es oft in der Vergangenheit war. Die religiösen Glaubensgemeinschaften haben die heilige Berufung zur Versöhnung und Annäherung zwischen Personen und Völkern beizutragen zur Ehre Gottes und zur Befreiung des Menschen.

  6. Zum Schluss bekräftigen wir nochmals den Wunsch zur Integration Rumäniens in die europäischen Strukturen. Deswegen halten wir es für nötig, diese Erklärung auch den Autoritäten der Europäischen Union vorzulegen.

Bukarest, im Mai 2000

Rumänische Orthodoxe Kirche, Patriarch Teoctist Arăpaşu
Römisch-Katholische Kirche, Metropolit Ioan Robu
Römisch-Katholische Kirche, Bischof Jozsef Tempfli
Griechisch-Katholische Kirche, Metropolit Lucian Mureşan
Reformierte Diözese des Ardeal, Bischof Csiha Kalman
Evangelische Kirche A.B. von Sibiu, Bischof Christoph Klein
Evangelisch-Lutherische Kirche von Cluj, Bischof Mozes Arpad
Unitarische Kirche, Bischof Szabo Arpad
Armenische Kirche, Erzbischof Dirayr Mardichian
Kultusgemeinde der Gläubigen des Alten Ritus, Metropolit Leonid Izot
Kultusgemeinde der baptistischen Christen, Präsident Paul Negrut
Kultusgemeinde der Pfingstler, Präsident Riviş Tipei Pavel
Kirche der Adventisten, Präsident Adrian Bocăneanu
Kultusgemeinde der Christen nach dem Evangelium, Präsident Mircea Cioată
Rumänische Evangelische Kirche, Präsident Petre Miu
Muslimische Kultusgemeinde, Mufti Osman Negeat
Mosaische Kultusgemeinde, Präsident Micolae Cajal

(Übernommen aus „Orthodoxie aktuell“ Nr. 6/2000)