Länderinfo: Estland

(Stand: 2001)
aus OWEP 3/2001  •  von Waltraud Schulte

Eine aktuelle Fassung der Länderinformation zu Estland finden Sie unter www.renovabis.de/laender-projekte/laenderinformationen/estland.

Fläche: 45.227 km²

Einwohner: 1.450.000

Hauptstadt: Tallinn

Ethnische Gruppen:
65,2 % Esten; 28,1 % Russen; 2,5 % Ukrainer; 1,5 % Weißrussen; 0,9 % Finnen; 1,8 % Andere

Geschichtlicher Überblick:
Im 2. Jahrhundert n. Chr. wanderten finnisch-ugrische Völkerschaften in das Gebiet des heutigen Estland ein. Seit dem 13. Jahrhundert wurde das Baltikum Schauplatz deutsch-dänischer, später schwedisch-russischer Auseinandersetzungen. 1219 gründeten hansische Kaufleute Reval, das heutige Tallinn. Landesherr war seit 1237 der Deutsche Orden, dessen Nachfolge 1561 Schweden, 1721 Russland antrat.

Nach der russischen Februarrevolution 1917 wurde ein Estnischer Nationalrat gebildet und 1918 die Unabhängigkeit proklamiert (1920 Anerkennung durch die Sowjetunion). Bereits 1939 verlor Estland ebenso wie Lettland und Litauen wieder seine Unabhängigkeit, da es gemäß dem geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt der sowjetischen Einflusssphäre zugeordnet wurde. Umfangreiche sowjetische Deportationen 1941 und nach 1944 – zwischen 1941 und 1944 war das Land von deutschen Truppen besetzt – trafen vor allem die estnische Intelligenz. Seit 1988 bemühte sich die Estnische SSR verstärkt um staatliche Unabhängigkeit und Zurückdrängung des russischen Einflusses. Nach dem Sieg der Unabhängigkeitsbewegung „Volksfront“ bei den Wahlen zum Obersten Sowjet der Estnischen SSR erklärte Estland am 30.03.1990 einseitig die Unabhängigkeit von der Sowjetunion, die jedoch erst nach dem gescheiterten Putsch vom August 1991 durch die sowjetische Führung anerkannt wurde. 1994 verließen die letzten russischen Truppen das Land.

Politisches System:
Seit 1991 ist Estland eine unabhängige Republik mit einer parlamentarischen Demokratie. Das Parlament („Riigikogu“) mit 101 Mitgliedern wird alle 4 Jahre gewählt. Eine neue Verfassung wurde 1992 verabschiedet.
Staatsoberhaupt: Lennart Meri (seit Oktober 1992)
Regierungschef: Mart Laar (seit März 1999)

Ökonomische und soziale Rahmendaten:
Seit dem 20.06.1992 ist die Estnische Krone (EEK) im Umlauf; 1 EEK = 100 Cents (an die DM gebunden); derzeitiger Umrechnungskurs: 1 DM = 8 EEK; 1 Euro = 15,6466 EEK. Das Bruttosozialprodukt betrug 1998 je Einwohner 3360,- US-Dollar. Der Anteil der unter der Armutsgrenze lebenden Bewohner lag bei 6%, die Arbeitslosenquote bei ca. 10%, die Inflationsrate betrug 3,3%.

Kirchliche Strukturen:
Seit der Reformation ist Estland ein überwiegend protestantisches Land. Etwa 75% der Bevölkerung gehören der Evangelisch-lutherischen Kirche an, 20% zählen zur Russischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats und 0,3% zur Römisch-katholischen Kirche. Seit dem Jahr 2000 gibt es in Tallinn eine kleine Griechisch-katholische Gemeinde mit personeller Hilfe aus der Ukraine. Der Anteil aus dem Ausland kommender unterschiedlichster Sekten steigt kontinuierlich.

Innerhalb der orthodoxen Gemeinden Estlands bestehen Spannungen zwischen zwei Gruppen, die sich einerseits dem Moskauer Patriarchat und andererseits dem Ökumenischen Patriarchat angeschlossen haben.

Die Römisch-katholische Kirche umfasst etwa 3.400 Katholiken, die über das ganze Land verstreut leben und derzeit von fünf Diözesan- und sechs Ordenspriestern sowie siebzehn Ordensfrauen in fünf Pfarreien betreut werden. Außerdem stehen zwei Bildungs- und drei caritative Einrichtungen zur Verfügung. Kirchenrechtlich sind die Katholiken Estlands in einer Apostolischen Administratur zusammengefasst. Apostolischer Administrator ist der Nuntius für die baltischen Staaten mit Sitz in Vilnius; sein Generalvikar leitet die Ortskirche in Estland.

Renovabis-Projekte und Schwerpunkte der Förderung:
Die katholische Kirche ist eine Minderheitenkirche, deren Strukturen sich allmählich festigen. Die Pastoral wird in der Hauptsache von ausländischem Personal getragen, von wo auch finanzielle Hilfe kommt. Renovabis betont in der Projektarbeit die Bedeutung solcher Vorhaben, die den Menschen in Estland Möglichkeiten zur Inkulturation ihrer eigenen Kirche und Wertvorstellungen gibt. Besonders unterstützt werden der Aufbau von Gemeindestrukturen, Erwachsenenweiterbildung, Priester- und Katechetenausbildung sowie das Schulwesen.

Interessante Internet-Adressen:
http://www.estica.org (landeskundliche Informationen)
http://www.eelk.ee (Evang.-luth. Kirche Estlands)
http://www.ut.ee (Universität Tartu)
http://www.rc.net/org/tartu (Katholische Schule in Tartu)