Länderinfo: Lettland

(Stand: 2001)
aus OWEP 3/2001  •  von Waltraud Schulte

Eine aktuelle Fassung der Länderinformation zu Lettland finden Sie unter www.renovabis.de/laender-projekte/laenderinformationen/lettland.

Fläche: 64.589 km²

Einwohner: 2.404.926

Hauptstadt: Riga

Ethnische Gruppen:
56,5 % Letten; 30,4 % Russen; 4,3 % Weißrussen; 2,8 % Ukrainer; 2,6 % Polen; 3,4 % Andere

Geschichtlicher Überblick:
Die Letten sind Nachfahren verschiedener slawisch-baltischer Stämme, die in den ersten Jahrhunderten n. Chr. von Süden her in die Gebiete des heutigen Lettland einwanderten. 1201 wurde das Bistum Riga gegründet. Nach zahlreichen Kämpfen beherrschte der Deutsche Orden seit Ende des 13. Jahrhunderts das Territorium des späteren Lettland und begründete die Herrschaft einer dünnen deutschen Oberschicht im Land, die auch den Untergang des Ordensstaats im 16. Jahrhundert überdauerte. Nach langwierigen Auseinandersetzungen im Ostseeraum fiel das gesamte spätere lettische Territorium im Verlaufe des 18. Jahrhunderts an das Russische Reich.

Während des Ersten Weltkriegs besetzten deutsche Truppen 1915 das Baltikum. Zwischen 1917 und 1919 war Lettland Schauplatz von Kämpfen zwischen lettischen Bolschewisten, deutschen und national gesinnten lettischen Verbänden. Ende 1919 wurde die Unabhängigkeit ausgerufen (1920 Anerkennung durch die Sowjetunion). 1922 erhielt Lettland eine Verfassung. Im gleichen Jahr endete der Konflikt zwischen Letten und Deutschbalten mit der Enteignung der Deutschstämmigen und damit der Entmachtung der alten Oberschicht. Bereits 1939 verlor Lettland ebenso wie Litauen und Estland wieder seine Unabhängigkeit, da es gemäß dem geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt der sowjetischen Einflusssphäre zugeordnet wurde. Durch umfangreiche sowjetische Deportationen 1941 und nach 1944 – zwischen 1941 und 1944 war das Land von deutschen Truppen besetzt – und gezielte Zuwanderung von ca. 400.000 Russen änderte sich die Bevölkerungszusammensetzung radikal. Nach ersten Demonstrationen im Sommer 1987 erklärte die Lettische SSR im Juli 1989 ihre Souveränität und erneuerte am 04.05.1990 die unabhängige Republik Lettland. Die Unabhängigkeitserklärung wurde nach dem Moskauer August-Putsch von 1991 endgültig in Kraft gesetzt und von der zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden UdSSR anerkannt.

Politisches System:
Seit 1990 ist Lettland eine unabhängige Republik mit einer parlamentarischen Demokratie. Das Parlament („Saeima“) mit 100 Mitgliedern wird alle 4 Jahre gewählt. Die Verfassung von 1922 ist seit 1993 wieder in Kraft (mit Änderungen von 1997).
Staatsoberhaupt: Vaira Vike-Freiberga (seit Juli 1999)
Regierungschef: Andris Berzins (seit Mai 2000)

Ökonomische und soziale Rahmendaten:
Währungseinheit: Lats (Ls); 1 Ls = 100 Santimi; derzeitiger Umrechnungskurs: 1 US-Dollar = 0,6 Ls; 1 EUR = 0,566526 Ls. Das Bruttosozialprodukt betrug 1998 insgesamt 5917 Millionen US-Dollar. Der Anteil der unter der Armutsgrenze lebenden Einwohner (1998) lag unter 2%, die Arbeitslosenquote bei 9,1% (1999), die Inflationsrate betrug 3,2 %.

Kirchliche Strukturen:
Seit der Reformation ist Lettland ein überwiegend protestantisches Land. Etwa 55 % der Bevölkerung gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirche, 24 % zählen zur Römisch-katholischen Kirche und 9% zur Russischen Orthodoxen Kirche (größtenteils des Moskauer Patriarchats). Der Anteil aus dem Ausland kommender unterschiedlichster Sekten steigt kontinuierlich. Die Römisch-katholische Kirche in Lettland umfasst die Erzdiözese Riga, die von Erzbischof Janis Kardinal Pujats geleitet wird, sowie die Suffraganbistümer Liepāja, Jelgava und Rēzekne-Aglona.

Renovabis-Projekte und Schwerpunkte der Förderung:
Die Projektarbeit von Renovabis ist auf Nachhaltigkeit sowohl im pastoralen als auch im sozialen Bereich angelegt, z.B. durch Förderung von mehrjährigen Pastoralprogrammen und durch die Unterstützung von Baumaßnahmen im Hinblick auf die Intensivierung kirchlicher und sozialer Infrastrukturen. Das Gebäude des Vatikanpavillons auf der EXPO 2000 in Hannover wurde mit Hilfe von Renovabis nach Lettland transportiert und dient nun dort dem Aufbau des kirchlichen Lebens in der Diözese Liepaja. Die ökumenische Zusammenarbeit gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Interessante Internet-Adressen:
http://www.mk.gov.lv (Regierung)
http://www.catholic.lv (Röm.-kath. Kirche)
http://www.dpu.lv (Universität Daugavpils)
http://www.botschaft-lettland.de