Länderinfo: Slowakei

(Stand: 2006)
aus OWEP 4/2006  •  von Martin Lenz

Eine aktuelle Fassung der Länderinformation zur Slowakei finden Sie unter www.renovabis.de/laender-projekte/laenderinformationen/slowakei.

Fläche: 49.035 qkm

Einwohner: 5.380.000

Hauptstadt: Bratislava (Pressburg)

Ethnische Gruppen:
85,8 % Slowaken; 9,7 % Magyaren (Ungarn); 1,7 % Roma; 2,8 % Andere (Tschechen, Ruthenen, Ukrainer, Deutsche, Polen u. a.)

Geschichtlicher Überblick:
Seit dem 6. Jahrhundert ließen sich in mehreren Wanderungswellen Westslawen im Mittelgebirgsland der späteren Slowakei nieder. Nach der Zerschlagung des Awarenreichs bildete sich um 800 ein selbstständiges christliches Fürstentum mit dem Zentrum Nitra (Neutra). Dieses wurde durch Mojmír I. (830-846) dem Großmährischen Reich angeschlossen. Vom Zusammenbruch des Großmährischen Reiches 906 bis 1918 war die Slowakei als „Oberungarn“ Teil des Königreichs Ungarn. Nachdem 1848/49 der Versuch misslungen war, eine größere politische Eigenständigkeit zu erlangen, scheiterten auch die 1860/61 unternommenen Initiativen, die Slowakei zu einem autonomen Kronland zu erheben.

1918 erklärte die Slowakei, sich einem gemeinsamen Staat der Tschechen und Slowaken anzuschließen, wenn ihr Autonomie gewährt würde. Im Zuge der Sudetenkrise der Tschechoslowakei forcierte Hitler 1939 die Erklärung der staatlichen Selbstständigkeit der Slowakei, wodurch sie de facto zum Satellitenstaat des Dritten Reiches wurde. Nach der Besetzung durch sowjetische Truppen wurde die Slowakei 1945 wieder ein Teil der Tschechoslowakei. Nach der „samtenen Revolution“ von 1989 erfolgte im Frühjahr 1990 die Umwandlung in eine föderative Republik innerhalb der ČSFR. Ergebnis der von Ministerpräsident Vladimír Mečiar betriebenen Unabhängigkeitspolitik war die Proklamation der Unabhängigkeit der Slowakischen Republik. Obwohl die Regierung unter Mečiar versuchte, Anschluss an die internationale Gemeinschaft zu finden, verfolgte sie eine sehr umstrittene, oft als autokratisch bezeichnete Politik, die die Slowakei innerhalb Europas isolierte und unter anderem dazu führte, dass das Land nicht 1999, sondern erst 2004 in die NATO aufgenommen wurde. Erst unter der von 1998 bis 2006 amtierenden Regierung unter Ministerpräsident Mikuláš Dzurinda konnte die Isolierung überwunden werden, sodass die Slowakei im Zuge der EU-Erweiterung der EU beitreten konnte.

Politisches System:
Die Slowakische Republik gründet auf der Verfassung von 1993, die 1997 verändert wurde. In das Parlament (Nationalrat) werden alle vier Jahre 150 Abgeordnete gewählt.
Staatsoberhaupt: Dr. Ivan Gašparovič (seit 15.06.2004)
Regierungschef: Dr. Robert Fico (seit 04.07.2006)

Ökonomische und soziale Rahmendaten:
Das Jahreseinkommen pro Einwohner liegt umgerechnet bei etwa EUR 3.800 (bei einem monatlichen Mindestlohn von EUR 183, wobei ca. 1,9 % der Bevölkerung diesen beziehen). Der Regierung Dzurinda gelang es durch eine konsequente wirtschaftsliberale Politik, die zuvor stark lahmende Wirtschaft zu stabilisieren und anzukurbeln. Aktuell ist das slowakische Wirtschaftswachstum das höchste in Europa. Die Wirtschaft ist stark exportorientiert. Das nominelle Lohnniveau ist das geringste in Mitteleuropa, hinzu kommt eine nach wie vor sehr hohe Arbeitslosigkeit. Die slowakische Krone ist voll konvertierbar.

Kirchliche Strukturen:
In der Slowakei gehören ca. 69 % der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche an. Sie ist in die beiden Erzbistümer Bratislava-Trnava und Košice gegliedert. Das Erzbistum Bratislava-Trnava umfasst die Suffraganbistümer Nitra und Banská Bystrica. Zum Erzbistum Košice gehören die Suffraganbistümer Rožňava und Spišske Podhradie. Die beiden griechisch-katholischen Bistümer sind Košice und Prešov.

Renovabis-Projekte und Schwerpunkte der Förderung:
Renovabis fördert Projekte zur Verbesserung der kirchlichen Infrastruktur auf den Ebenen der Pfarrei, des Bistums und der Bischofskonferenz. In den Pfarreien werden Gemeinde- und Jugendpastoralarbeit sowie Ausbildungsprojekte unterstützt. Soziale Projekte in Zusammenarbeit mit der Caritas oder örtlichen Orden reichen über Häuser für in Not geratene Frauen und deren Kinder bis zu Hospizeinrichtungen und gezielter Randgruppenförderung. Auf Diözesanebene konzentriert sich die Förderung auf Ausbildungsinstitutionen wie Gymnasien, Internate, Universitäten und theologische Fakultäten. Die katholische Medienarbeit wird durch Ausrüstungsgegenstände und Journalistenschulung gefördert. Projekte zusammen mit der Bischofskonferenz zielen auf die Vernetzung und den Ausbau überdiözesaner Strukturen ab.

Interessante Internetadressen: (letzter Aufruf: 23.10.2014)
http://www.vlada.gov.sk/english/ (Seite der slowak. Regierung)
http://www.kbs.sk/ (Seite der kath. Kirche der Slowakei)