Pilgern in der ostkirchlichen Orthodoxie unter besonderer Berücksichtigung des Pilgerzieles Hilandar/Athos

aus OWEP 1/2008  •  von Andreas Müller

Dr. Andreas Müller ist Privatdozent für Kirchengeschichte in Bethel. Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind Spiritualität und Theologie ostkirchlich orthodoxer Kirchen.

„Sie (scil. die Pilger) … wurden unter Glockengeläute von den Mönchen am Thore empfangen, um sofort in die Kirche geführt zu werden, wo die Reliquien zur Schau und Verehrung ausgestellt wurden. Hier küßten die Pilger der Reihe nach die heiligen Bilder, indem sie sich vor und nach dem Kusse drei- oder viermal bekreuzigten, und wurden dann in dem Archotaliki (sic) mit Wein, Brod, Oliven, Käse, Sardellen und Knoblauch bewirthet. Dabei war man fröhlich und guter Dinge: aus den Fenstern wurde geschossen, und man ließ geistliche oder auch weltliche Lieder erschallen. Nach beendigtem Mahle ging es an’s Namensschreiben – tora na graphomen ta onomata – was von den Pilgern, oder zum wenigsten von den Mönchen, als die Hauptsache betrachtet wird. Der Pilger läßt seinen oder einen fremden Namen in eine Liste eintragen, mit dem Verlangen, daß zu seinem eigenen Seelenheile oder dem seiner Freunde und Verwandten eine Wachskerze in der Kirche angesteckt oder gebetet oder Messe gelesen oder eine Vigilie gehalten werde. Dafür hat er alsdann eine gewisse Summe zu entrichten, die zugleich die Stelle einer Vergütung für die Bewirthung vertritt …“1

Mit diesen Worten beschrieb Eduard Zachariä in einem bereits 1840 in Heidelberg publizierten Reisebericht das Wallfahren zu dem Athos-Kloster Megiste Lavra. Noch heute pilgern orthodoxe Christen in vergleichbarer Weise – nur auf Schüsse aus Fenstern wird mittlerweile verzichtet. Wallfahren und Pilgern in den orthodoxen Ostkirchen soll im Folgenden allerdings noch etwas genauer dargestellt werden. Die Unterscheidung von westlicher und östlicher Pilgerpraxis ist dabei eine eher graduelle. Sie ist auch stark abhängig von der jeweils lokal geprägten Mentalität des Pilgers oder der Pilgerin. Daher sind die im Folgenden benannten Merkmale orthodoxen Pilgerns keineswegs nur in den orthodoxen Ostkirchen anzutreffen.

Versuchen wir dennoch Charakteristika orthodoxen Pilgerwesens zu benennen, so mag bereits ein Blick auf die Fragen hilfreich sein, die westliche und östliche Reisende bei dem Besuch eines Klosters stellen:

  • Der westliche Reisende, selbst wenn er stark religiös orientiert ist, erkundigt sich nach den bedeutenden Kunstwerken im Kloster, liest einen Führer über dessen Geschichte und fragt die Mönche, wie viele Brüder oder Schwestern zur Klostergemeinschaft gehören. Von besonderem Interesse ist meist auch, wie sich das jeweilige Kloster finanziert.

  • Die Fragen östlicher Pilger sind in der Regel anderer Art. Sie interessieren sich für die Reliquien im Kloster und seine bedeutenden Ikonen. Sie fragen nach geistlichen Vätern und Müttern und bitten diese schließlich um Rat.

Während der westliche Pilger also einen stärker rationalen Zugang bei seinen religiösen Reisen hat, überwiegt beim ostkirchlich-orthodoxen ein eher ganzheitlicher. Der orthodoxe Pilger sucht – zumindest im Idealfall – nach Orten, in denen die unerschaffenen Energien Gottes besonders wirkkräftig sind. Gehen wir die einzelnen Pilgerziele systematisch durch, um uns ein Bild über die vielfältigen Aspekte orthodoxen Pilgerns zu verschaffen.

Pilgerziele für orthodoxe Christen sind natürlich nicht nur die Klöster, und seien sie auch so bedeutend wie jene auf dem Berg Athos. Wichtige Pilgerziele auch für orthodoxe Pilger stellen insbesondere die biblischen Orte im Heiligen Land dar. Die wichtigsten Wallfahrtorte dort sind häufig Höhlen (Geburtsgrotte, Grab Christi), die seit Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert mit bedeutenden Kirchenanlagen verbunden sind. Noch in der Zeit des Kaisers Justinian im 6. Jahrhundert erfuhren bereits verehrte biblische Orte durch beeindruckende Kirchen- und Klostergründungen ihre Wertschätzung, so z. B. das Dornbuschkloster am Sinai. Manche Wallfahrtszentren an biblischen Orten entstanden sogar noch später. So wurde z. B. das Kloster am Ort der Offenbarung des Johannes auf Patmos erst 1088 gegründet.

Neben biblischen Stätten stellen bis heute die so genannten Martyrien (Gedächtnisbauten über dem Grab) und Reliquien von Märtyrern und Heiligen wichtige Pilgerziele dar. Darunter fällt u. a. die Wallfahrt zu den Reliquien des Stadtpatrons Demetrios von Thessaloniki. Hier entstand im 5. Jahrhundert eine beeindruckende Basilika, die nach dem Stadtbrand von 1917 in ihrer einstigen Gestalt rekonstruiert worden ist. Selbst in der ägyptischen Wüste entwickelten sich Pilgerzentren an Märtyrergräbern, auch wenn die Martyriumstradition vor Ort historisch ungesichert war: Dies gilt z. B. für das bedeutende Grab des Hl. Menas südwestlich von Alexandrien. Dieses erfuhr unter dem koptischen Papst Kyrillos VI. seit 1959 eine gewaltige Renaissance. Bedeutende Wallfahrten entstanden auch zu Heiligen aus der Neuzeit. Neomärtyrer, die sich zur Stärkung z. B. der griechischen Identität gegenüber den Osmanen gut instrumentalisieren ließen, fanden im orthodoxen Umfeld große Anerkennung. Hier wäre u. a. Ioannes der Russe (ca. 1690-1730) zu nennen. Der unverweste Leichnam des einstigen Kriegsgefangenen der Osmanen wird seit seiner Translation 1924 aus Kleinasien in Prokopion auf Euböa wegen seiner Heilkräfte verehrt. Auf Lesbos werden seit 1962 die Reliquien der Neomärtyrer Raphael, Nikolaos und Eirene aufgesucht. Deren Grabstätte ist der Äbtissin des gleichnamigen Klosters durch einen Traum in einer Zeit offenbart worden, in der Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei die griechische Gesellschaft stark prägten.2 Sicher ist die Popularität des Wallfahrtortes auf Lesbos nicht nur auf die zahlreichen Wunder zurückzuführen, die an den Reliquien geschehen sein sollen und von der Äbtissin minutiös in zahlreichen Büchern veröffentlicht wurden. Auch die politischen Konflikte zwischen Griechenland und der Türkei in den sechziger und siebziger Jahren dürften das Interesse an den Neomärtyrern massiv gesteigert haben.

Nicht nur zu Reliquien verstorbener Heiliger, sondern auch zu berühmten lebenden Charismatikern führt die Wallfahrt in monastischen Zentren. Zu diesen zählen die autonome Mönchsrepublik Athos (Gründung der Megiste Lavra 963), ferner u. a. die Pečerskaja Lavra (Höhlenkloster) in Kiew (um 1000) und wegen ihrer Starzen berühmte Klöster wie die russische Optina Pustyn (14./15. Jahrhundert) und Sihastria (18. Jahrhundert) in der rumänischen Moldau.

Auch berühmte Ikonen sind beliebte Wallfahrtsziele orthodoxer Christen. Dafür nur einige wenige Beispiele: Kurz nach dem griechischen Aufstand 1821 kam es zur Entwicklung der das moderne Griechenland am stärksten prägenden Wallfahrt: Im Jahr 1823 fand die Nonne Pelagia Negroponti auf Tinos eine der zahlreichen angeblich vom Evangelisten Lukas gemalten Ikonen. Die dort erbaute Wallfahrtskirche trug durch ihre Spendengelder als selbstständige juristische Person zum Aufbau des griechischen Staates bei. Ähnlich berühmte Wallfahrten zu wundertätigen Marienikonen finden sich u. a. zum russischen Smolensk (seit dem 11./12. Jahrhundert) und Kasan (Legende von 1579).

Eng verknüpft ist Pilgertum und Wallfahrt häufig auch mit nationalen Aspekten. So hat das Kykko-Kloster auf Zypern (Ende 11. Jahrhundert) mit der oberhalb des Klosters befindlichen Grabstätte des Erzbischofs Makarios III. starke Bedeutung als nationale Gedenkstätte erhalten. Pilger zu diesem Kloster suchen nicht nur dessen wundertätige Ikone auf, sie werden zugleich mit der bewegten Vergangenheit der zypriotischen Republik konfrontiert. Nationale Geschichte und göttlicher Beistand werden dabei auf in manchen Fällen atemberaubende Weise verquickt. Das gilt z. B. für das Kloster Putna (1466/81) in der rumänischen Moldau. Hier findet sich das Grab des 1992 kanonisierten Fürsten Stefan des Großen. Dieser spielt für die Entwicklung der Religion im rumänischen Fürstentum Moldau eine wichtige Rolle. Der Traum von einem Großrumänien, zu dem auch die Gebiete der Republik Moldawien gehören, ist eng mit ihm verbunden; auch wohl deshalb ist das Kloster ein beliebtes Pilgerziel.3 Weitere Wallfahrtsorte von nationaler Bedeutung sind u. a. die Klöster Zoodochou Peges (Balikli; seit dem 6. Jahrhundert) in Istanbul, die serbischen Klöster Studenica (Ende 12. Jahrhundert) und das Patriarchenkloster bei Peć (11./14. Jahrhundert) sowie die Troice-Sergieva Lavra (gegründet 1338), die auch als „Palladium Russlands“ bezeichnet worden ist.

Auf dem Athos finden sich fast alle Aspekte orthodoxen Pilgerns konzentriert. Dies soll anhand des vorübergehend bulgarisch geprägten, seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wieder fest in serbischer Hand befindlichen Klosters Hilandar deutlich gemacht werden. Hilandar stellt das wichtigste spezifische Pilgerziel zumindest für männliche serbische orthodoxe Christen dar. Es ist daher sogar mit einem Herz außerhalb des Körpers, d. h. außerhalb Serbiens, verglichen worden.4 Das Kloster bietet dem Pilger in erster Linie bedeutende Ikonen und Reliquien. Darüber hinaus stellt es gerade für die Serben eine nationale Wallfahrtstätte dar.

Unter den Reliquien des Klosters gibt es zahlreiche, die mit dem Alten und Neuen Testament in enger Verbindung stehen. Gezeigt werden hier u. a. die Schädeldecke des Propheten Jesaja, Splitter vom Kreuz Christi, ein Teil der Dornenkrone und des Rohres, mit dem dem Gekreuzigten Essig gereicht worden war. Selbst ein Leichentuch Christi wird (wie in Turin!) in Hilandar gezeigt. Derartige (vermeintliche) Reliquien dienen hier wie andernorts Pilgern dazu, eng mit der biblischen Heilsgeschichte in Verbindung zu kommen, ohne nach Palästina reisen zu müssen.

Einen der bedeutendsten Anziehungspunkte im Hilandar-Kloster stellt eine berühmte „wundertätige Ikone“ dar. Mehrere Athosklöster und -kirchen sind im Besitz solcher Ikonen, so z. B. das Kloster Iviron mit der Portaitissa, das Protaton mit der Axion estin und das Kloster Docheiariou mit der Gorgoepikoos. Kunstgeschichtlich sind die meisten dieser Ikonen nicht von großer Bedeutung. Bemerkenswert sind vor allem die Legenden5, die sich um sie ranken, und die Wunder, die angeblich von ihnen ausgegangen waren. Die Ikone in Hilandar stellt eine Marienikone dar, bei der die Gottesmutter über drei Hände verfügt – daher der Name Tricherousa. Die dritte Hand wird folgendermaßen erklärt: Die Ikone stammt angeblich aus dem Haus eines der wichtigsten ostkirchlichen Theologen, nämlich des Johannes von Damaskus. Johannes arbeitete beim Kalifen, der ihn gewaltsam von seinem christlichen Glauben abbringen wollte. Dazu ließ er ihm sogar die rechte Hand abhacken. Nach einer Variante der Legende soll der bilderfeindliche Kaiser Leon III. durch eine Verleumdungsaktion diese Maßnahme veranlasst haben. Als der große Gelehrte voll Verzweifelung vor das Bild der Gottesmutter floh und diese darum bat, die abgeschlagene Hand wieder anwachsen zu lassen, wurde ihm eine derartige Heilung während eines kurzen Schlafes gewährt. Daraufhin brachte Johannes aus Dank als Votivgabe eine silberne Kopie seiner Hand auf der Ikone an. Er nahm sie mit in das Kloster des Hl. Sabas bei Bethlehem, wo er Mönch wurde. Von dort nahm – so die Legende – der serbische Prinz Sava die Ikone mit auf den Athos. Gut hundert Jahre später soll sie der serbische Fürst Stefan Dušan nach Serbien gebracht haben, wo sie in das Kloster Studenica kam. Als dort ein das Kloster zerstörendes Feuer ausbrach, rettete sich die Ikone der Legende nach selbst. Nach einer anderen Variante wurde sie von den Mönchen vor den türkischen Raubzügen gerettet. In beiden Fällen brachte sie ein Maultier in ununterbrochenem Trab auf den Athos, wo sie von Mönchen des Klosters Hilandar gefunden wurde. Wundertätig ist die Ikone u. a. deswegen, weil sie bei Bränden im Kloster keinen Schaden erlitt. Den Erzählungen der Mönche nach bewachten die Ikone in Zeiten der Not Engel in prächtiger Rüstung. Sie soll auch die Rolle des Abtes in Zeiten einer Autoritätskrise eingenommen haben und steht noch heute an der Stelle des Abtthrones. Die Mönche des Klosters treten unter ihrer Äbtissinenschaft in das Kloster ein. Noch im 20. Jahrhundert wurden diverse Wunder erzählt. So soll eine Kopie der Ikone den japanisch-russischen Krieg im Jahr 1905 mehrmals zugunsten der Russen beeinflusst haben. Es ist erstaunlich, dass trotz des (hier allerdings verschwiegenen) Sieges, den die Japaner letztlich aus dem Krieg davontrugen, auf den hilfreichen Einsatz der Ikone in der orthodoxen Pilgerliteratur hingewiesen wird.

Die heute im Kloster ausgestellte Ikone stammt wohl aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Bis 1993 hat die Ikone das Kloster nicht mehr verlassen. In diesem Jahr wurde sie anläßlich der Dimitria, der Feierlichkeiten zu Ehren des Stadtpatrons, nach Thessaloniki gebracht und dort von unzähligen Menschen verehrt. Auch eine nationale Bedeutung für die Serben soll die Ikone gehabt haben. So schrieb Abt Moses vom Hilandar-Kloster in einer Broschüre: „Insbesondere stellt sie eine geistliche Hilfe und einen Beistand für die orthodoxen serbischen Väter und Brüder dar, die aufgrund der jüngsten beschwerlichen Umstände in ihrem Vaterland viel Unglück zu durchleiden haben, da sie oftmals selbst durch ihr Blut ihre Treue zum orthodoxen Glauben bezahlt haben.“6

Das Kloster ist mit der Person des Gründers eng verbunden. Fürst Stefan Nemanja (ca. 1113-1199) wurde im Alter selbst Mönch in dem Kloster und nahm den Mönchsnamen Simeon an. Er und sein Sohn Sava (ca. 1174-1235)7, der erste Erzbischof der autokephalen Kirche Serbiens, stellen wichtige Heilige der serbischen Kirche dar, die eng mit dem Kloster verbunden sind und später zu serbischen Nationalheiligen wurden. In ihre Zeit wird auch die Geburtsstunde des geistlichen Lebens der Serben datiert. Das Kloster gilt wohl auch deswegen als die wichtigste Pilgerstätte der Serben, ähnlich wie für die Griechen die Heiligen Stätten in Palästina.8

Im Blick auf den „myronspendenden“9 Simeon entstanden wiederum Legenden. Seine Reliquien sind nach den Lateinereinfällen im byzantinischen Reich um 1208 nach Studenica gebracht worden. Von seinem ursprünglichen Grab sollen dennoch Wunderwirkungen ausgehen. In seinem Sarg wurzelt nämlich ein Weinstock, der außen an der Kirche gezeigt wird. Von dessen Trauben sollen Frauen zu essen bekommen, deren Kinderwunsch bisher nicht erfüllt worden ist. Viele Söhne, die anschließend zur Welt gekommen sind, sollen als Mönche in das Kloster Hilandar eingetreten sein. Es existiert der Brauch, dass Pilger aus dem Kloster Trauben dieses Weinstocks eben wegen seiner vermeintlich wunderwirkenden Kraft mitnehmen. Derartige Traditionen lassen sich nur aus einem nicht aufgeklärten, ganzheitlichen Weltbild begreifen.

Wie jedes Athos-Kloster wird auch Hilandar von den Pilgern wegen seiner „Geistlichen Väter“ aufgesucht. Das Amt des Beichtvaters wird in Hilandar angeblich jedes Jahr neu bestimmt. Daneben gibt es in dem Kloster aber auch „Geistliche Väter“, die durch die Jahrhunderte hindurch dessen Attraktivität für serbische Pilger ausgemacht haben. Deutschsprachige Reisende haben über Jahrzehnte Vater Mitrofan (1923-1999) aufgesucht.10 Für die orthodoxen, insbesondere die serbischen Priester spielt Vater Methodios eine wichtige Rolle. Er begleitet zahlreiche jüngere Christen und Mönche. Ein weiterer bekannter geistlicher Vater ist P. Kyrillos. Er wird auch von vielen „Laienchristen“ aus Serbien aufgesucht.

Nicht nur fromme Pilger haben den Weg nach Hilandar aufgesucht. In der Presse geisterte immer wieder die Nachricht herum, dass während der Kriege im früheren Jugoslawien kompromittierte Serben im Kloster Unterschlupf gefunden hätten. Auch wenn solchen Gerüchte nur eingeschränkt Glauben zu schenken ist, so ist doch nicht zu bestreiten, dass das Kloster Hilandar einen wichtigen Ort zur Förderung orthodoxer wie serbischer Identität bildet. Auch deswegen ist es wiederholt von der serbischen Regierung, namentlich von Ministerpräsident Vojislav Koštunica, finanziell gefördert worden, insbesondere nach einem großen Brand des Klosters im Jahr 2004. Bei einem seiner zahlreichen Besuche in Hilandar verglich Koštunica im September 2006 das Kloster mit dem Kosovo. Außer im Kosovo schlage das Herz des serbischen Volkes auch auf dem Athos. Hilandar sei Wiege der serbischen Kultur. Weiter stellte er fest, dass „das, was unser ist, nicht Besitz von anderen werden könne“. Das Kosovo wie Hilandar gehörten deswegen untrennbar zu Serbien. Dementsprechend müsste der Besitz auch gepflegt werden.11 Pilgerziele wie Hilandar können demnach noch heute Unterstützung von den Regierungen orthodox geprägter Staaten erhalten. Dies dürfte vor allem darin begründet liegen, dass sie der Förderung sowohl nationaler als auch religiöser Identität in den orthodoxen Ostkirchen dienen.


Fußnoten:


  1. Eduard Zachariä: Organisiertes Wallfahrten. In: Rudolf Billetta: Europa Erlesen: Athos. Klagenfurt 2000, S. 157 f. – An dieser Stelle sei Ekkehard Kraft für eine kritische Lektüre des Manuskripts und wertvolle Hinweise gedankt. 

  2. 1955 gab es eine Verfolgungswelle gegen Griechen in Istanbul; 1964 wurde in der Folge des Zypern-Konfliktes das griechisch-türkische Abkommen über Freundschaft, Neutralität, Aussöhnung und Vermittlung vom Oktober 1930 aufgekündigt, was eine Vertreibungswelle von Griechen aus türkischem Staatsgebiet auslöste. 

  3. Vgl. zuletzt Edda Binder-Iijima (u. a.): Stefan der Große – Fürst der Moldau. Symbolfunktion und Bedeutungswandel eines mittelalterlichen Herrschers. Leipzig 2005. 

  4. Vgl. Andreas Block: Das Kloster Chilandar. In: Billetta, Europa (wie Anm. 1), S. 193; breitere Einführung bei Sreten Petković: Chilandar. Belgrad 1989. 

  5. Zu den im Folgenden referierten Legenden des Klosters vgl. Ulrich Kadelbach: Zwischen Himmel und Brombeerstrauch. Legenden vom Berg Athos. Stuttgart 1983; Franz Spunda: Legenden und Fresken vom Berg Athos, Stuttgart 1962. Eine historisch-kritische Darstellung hat jüngst vorgelegt Ilse Rochow: Die Legende von der abgehauenen Hand des Johannes Damaskenos. Ursprung – Varianten – Verbreitung. (Berliner Byzantinistische Studien, Bd. 8). Frankfurt (Main) u. a. 2007. 

  6. Vgl. Diegesis peri tes thaumatourgou eikonos tes uperagias theotokou tes eponomazomenes „Tricherousas“. Agion Oros. (o. J., wohl 1993), S. 4 f. (Übersetzung: A. Müller). 

  7. Vgl. zu diesem mit Literaturangaben Klaus-Peter Todt: Art. Sava. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon VIII (1994), Sp. 1442-1446. 

  8. Vgl. Diegesis (wie. Anm. 6), S. 12. 

  9. Bei der Öffnung seines Grabes um 1208 soll Salböl von seinen Reliquien und sogar aus seinem leeren Grab ausgegangen sein; vgl. Diegesis (wie Anm. 6), S. 10 f. 

  10. Vgl. Block, Chilandar (wie Anm. 4), S. 194. Mitrofan ist auch bekannt durch ein deutsch veröffentlichtes Buch: Ohnmächtig lebt der Glaube. Ein Athosmönch erlebt Rußland. Graz. 2. Aufl. 1989. 

  11. Vgl. den Artikel von Stavrou Tzima. In: „Kathimerini“, 19.09.2006.