Länderinfo: Albanien

(Stand: 2010)
aus OWEP 4/2010  •  von Herbert Schedler

Offizieller Landesname: Republika e Shqipërisë = Republik Albanien (Shqipëria = Albanien; von hier leitet sich die deutsche Bezeichnung „Skipetar“ für „Albaner ab).


Eine aktuelle Fassung der Länderinformation zu Albanien finden Sie unter www.renovabis.de/laender-projekte/laenderinformationen/albanien.

Fläche: 28.748 km²

Einwohner: ca. 3,2 Millionen1

Hauptstadt: Tirana (Tiranë)

Ethnische Gruppen:
95 % Albaner, 3 % Griechen, 2 % Andere (Serben, Roma usw.)

Geschichtlicher Überblick:
In der Antike war das Territorium des heutigen Albanien von illyrischen Stämmen besiedelt, gehörte dann zum Römischen, seit 395 zum Oströmischen (byzantinischen) Reich. Im Frühmittelalter bildeten sich zahlreiche kleinere Herrschaftsgebiete, die seit dem 14. Jahrhundert nach und nach von den osmanischen Türken erobert wurden. Die Mehrheit der Bevölkerung trat im Laufe der nächsten Jahrhunderte zum Islam über. Im 19. Jahrhundert entwickelte unter den Albanern wie unter den anderen Balkanvölkern das Nationalbewusstsein, das mit einer Rückbesinnung auf Geschichte und Kultur verbunden war. Bis zur Unabhängigkeitserklärung 1912 blieb Albanien jedoch Teil des Osmanischen Reiches.

Die heutigen Staatsgrenzen Albaniens wurden erst nach dem Ersten Weltkrieg gezogen. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurde die wirtschaftliche Infrastruktur allmählich ausgebaut; Versuche zur Entwicklung einer parlamentarischen Demokratie scheiterten jedoch, da die Regierung von Präsident Ahmet Bej Zogu (1924-1939, ab 1928 König Zogu) in eine Diktatur überging. Während des Zweiten Weltkriegs war das Land zunächst von italienischen, später von deutschen Truppen besetzt. Seit 1944 beherrschten kommunistische Kräfte das Land. Enver Hoxha stand bis zum seinem Tod 1985 unangefochten an der Spitze des Staates, den er zunächst in Anlehnung an die Sowjetunion, seit den sechziger Jahren im Bündnis mit der Volksrepublik China führte. Seit Mitte der siebziger Jahre schloss sich Albanien nahezu völlig von der Außenwelt ab. Erst 1989/90 kam es im Zusammenhang mit der „Wende“ in Mittel- und Osteuropa zum Sturz des Regimes, der anfangs mit einem Massenexodus einher ging. Seither ist in Albanien ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Transformationsprozess im Gang, dessen Erfolge durch häufige innenpolitische Krisen bedroht sind.

Politisches System:
Einkammerparlament mit 140 Mitgliedern (letzte Wahl: 28. Juni 2009)
Staatsoberhaupt: Bamir Topi (seit 24. Juli 2007)
Premierminister: Sali Berisha (seit 10. September 2005)
Verwaltungsstruktur: Albanien ist in 12 Regionen (qarqe) mit 36 Kreisen (rrethe) eingeteilt.

Ökonomische und soziale Rahmendaten:
Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von 14 Milliarden US-Dollar (2003) auf 23,1 Milliarden US-Dollar (2009). Die Inflationsrate lag 2009 bei 2,2 %, die Arbeitslosenquote bei 12,8 % (2009). Diese Zahlen sind allerdings nur begrenzt aussagekräftig, da Experten von einem extrem hohen Anteil (bis zu 50 %) von Schattenwirtschaft in Albanien ausgehen. Starken Einfluss auf die Finanzkraft des Landes nehmen auch Transfersummen albanischer Migranten. Die Wirtschaft wächst wegen der wiederholten innenpolitischen Krisen nur langsam. Rund ein Drittel der Bevölkerung ist noch immer im Agrarsektor tätig. – Zwischen 1960 und 1990 hat sich die Bevölkerung Albaniens verdoppelt, das Durchschnittalter liegt bei 30 Jahren. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt heute in den Städten, zahlreiche Dörfer sind inzwischen verödet. – Große Hoffnungen setzt man auf den Tourismus, dessen Entwicklung jedoch durch Umweltverschmutzung und schlechte Verkehrswege gehemmt wird.

Kirchliche Strukturen:
Nach einigermaßen zuverlässigen Schätzungen gehören ca. 10 % der Albaner, also etwa 300.000 Menschen, der römisch-katholischen Kirche an; Schwerpunkt ist der Norden Albaniens. Etwa 20 % sind orthodoxe Christen, die übrige Bevölkerung in der Mehrzahl Muslime. – Die römisch-katholische Kirche umfasst die Erzdiözese Shkodrë-Pult mit den Suffraganbistümern Sapë und Lezhë und die Erzdiözese Tirana-Durrës mit dem Suffraganbistum Rrëshen und der Apostolischen Administratur Südalbanien (Sitz: Vlorë).

Renovabis-Projekte und Schwerpunkte der Förderung:
Besonders zu nennen sind der Ausbau von Sozial- und Begegnungszentren, die auch der Entwicklung einer Zivilgesellschaft dienen sollen, und Projekte der schulischen und beruflichen Bildung. Wichtig war und ist weiterhin die Unterstützung bei der Heranbildung eines einheimischen Klerus.

Interessante Internetadresse:
www.albanien-dafg.de (Deutsch-albanische Freundschaftsgesellschaft)


Fußnote:


  1. Viele statistische Angaben über Albanien sind unsicher. Für die Einwohnerzahl finden sich auch niedrigere Angaben wie 2,8 Millionen oder ca. 3. Millionen. Außerdem leben mehrere hundertausend Albaner vorübergehend oder ständig im Ausland.