„Ländliche Entwicklung in Europas Regionen“

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Zusammenfassung

Die Katholische Landvolkbewegung (KLB) setzt sich seit vielen Jahren für die Entwicklung der ländlichen Räume in ganz Europa ein. Vertreter aus mehreren europäischen Ländern kamen vom 26. bis zum 28. Oktober 2009 zur Tagung „Ländliche Entwicklung in Europas Regionen“ in der Katholischen Landvolkshochschule Wies „Dr. Georg Heim“ bei Steingaden zusammen. Die Teilnehmer der Veranstaltung verabschiedeten die nachstehende Resolution. Den bisher unveröffentlichten Text stellte freundlicherweise Frau Veronika Stich, Oberostendorf, zur Verfügung.

Die Länder Europas befinden sich in einem enormen Umwälzungsprozess, der alle Bereiche des gesellschaftlichen, kirchlichen und persönlichen Lebens betrifft. Die Erweiterung der Europäischen Union ist Hoffnungszeichen und zugleich Herausforderung. Wir erkennen an, dass sich dadurch neue Chancen aufgetan haben, dass Metropolregionen einen enormen Auftrieb erfahren und Europa sich damit für den globalen Markt rüstet.

Gleichzeitig sehen wir die Gefahr, dass Teile des Ländlichen Raums in Europa – in der EU umfasst der Ländliche Raum 80 Prozent der Fläche – mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten und ausbluten. Seine prägenden Elemente – eine vielfältige bäuerliche Landwirtschaft, Handwerk und Handel – sehen sich einem gravierenden Strukturwandel gegenüber, der durch die demografische Entwicklung zusätzlich verschärft wird.

Ländliche Regionen standen bislang in herausragender Weise für den Erhalt von Identität, christlicher Kultur und Wertevermittlung, für Beheimatung und Verantwortungsbewusstsein für die Allgemeinheit. Sie sind ein wertvoller Lebensraum, den es durch eine nachhaltige und eigenständige Entwicklung zu erhalten gilt. Der gemeinsame christliche Glaube motiviert uns, auf aktuelle Entwicklungen aufmerksam zu machen, Verantwortliche zu gewinnen, diese zu schulen und in ihrem bürgerschaftlichen und kirchlichen Engagement zu begleiten.

Wir fordern deshalb Politik, Kirche und Gesellschaft auf, im Bereich

LANDWIRTSCHAFT

Bedingungen zu schaffen, dass eine vielfältige, multifunktionale bäuerliche Landwirtschaft auch in Zukunft existieren kann; zudem soll die regionale Vermarktung von Lebensmitteln gefördert werden – dazu gehören klare, verständliche und ehrliche Kennzeichnung von Lebensmitteln, Stärkung des Verbraucherbewusstseins, direktere Kommunikation zwischen Erzeuger und Verbraucher, Kontrolle der Marktmacht der Lebensmittelkonzerne.

KIRCHE / DORF / LAIENENGAGEMENT

dafür Sorge zu tragen, dass Kirche auf dem Land präsent bleibt: Dazu braucht es qualifizierte Haupt- und Ehrenamtliche, Priester und Laien in den Dörfern. Alle haben den Anspruch, für diesen Dienst befähigt und anerkannt zu werden; bei der Gestaltung der zukünftigen Pastoral darf es nicht nur um strukturelle und organisatorische Fragen gehen, sondern müssen die Menschen mit ihren konkreten und womöglich auch unterschiedlichen Anliegen in den jeweiligen Dörfern in den Blick genommen werden.

AKTIVE BÜRGERGESELLSCHAFT

die Menschen ernst zu nehmen und in ihrer regionalen Kultur zu fördern; dazu gehört, die Möglichkeiten der regional-politischen Partizipation zu erweitern: Die ortsansässigen Bürgerinnen und Bürger verfügen über eine lokale Kompetenz, die sie in besonderem Maße befähigt, die Belange ihres Ländlichen Raumes zu vertreten; der Aufbau von Verbänden und Organisationen als Träger des zivilgesellschaftlichen Engagements muss gefördert und unterstützt werden.

ARBEITEN UND LEBEN IN EUROPAS DÖRFERN

Arbeitsplätze auf dem Land zu schaffen und zu erhalten; dabei sind Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft wichtige Faktoren für die Zukunftsfähigkeit des Ländlichen Raums. Jeder junge Mensch soll nach seiner Schulausbildung einen Anspruch auf einen Ausbildungsplatz haben; Politik und Gesellschaft sollen darauf hinwirken, Arbeitsplätze insbesondere im Ländlichen Raum zu begünstigen, um die Lebensbedingungen dort dauerhaft aufzuwerten und zu verbessern; die Europäische Union soll den internationalen Erfahrungsaustausch im Bereich Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft fördern.

BILDUNG / SCHULE / KULTUR

allen Menschen Zugang zu Bildung und Kultur zu ermöglichen; dies bedeutet für die Ländlichen Räume wohnortnahe Schulen, eine praxisnahe Bildung sowie eine zeitgemäße, qualifizierte Jugend- und Erwachsenenbildung.

VERNETZUNG DER LÄNDLICHEN REGIONEN

eine wirksame Zusammenarbeit von Initiativen, Organisationen und Verbänden im Ländlichen Raum europaweit zu initiieren, zu fördern und finanziell zu unterstützen.

Diese Resolution wurde von Vertretern verschiedener ländlicher Verbände und Initiativen aus 18 europäischen Ländern beschlossen.

Katholische Landvolkshochschule Wies, 28. Oktober 2009