Die bosnischen Pyramiden

Textkasten
aus OWEP 4/2011  •  von Berislav Župarić

Im Jahre 2005 ging die Nachricht von einer archäologischen Sensation um die Welt: Der Geschäftsmann und Hobbyarchäologe Semir Osmanagić verkündete, dass die drei Berge um die bosnische Stadt Visoko tatsächlich Pyramiden von enormem Ausmaß und Alter seien. Die im Verlauf der Jahrtausende von Erde und Wald bedeckten Bergformationen seien danach der größte jemals von menschlicher Hand errichtete Baukomplex auf Erden, der wahrscheinlich von dem Volk der Illyrer am Ende der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren erbaut wurde. Während die archäologische Elite im In- und Ausland diese Theorie schnell ablehnte, fanden sich aber auch genug Befürworter, woraufhin mehrere Sondierungsgrabungen an allen drei Bergen durchgeführt wurden. Da die Funde vielversprechend schienen, beteiligten sich viele Institutionen des Staates an der Finanzierung weiterer Ausgrabungen. Zahlreiche im Land akkreditierte Botschafter und Politiker besuchten Visoko, und die Kleinhändler der Stadt begannen mit der Herstellung von Souvenirs für die immer zahlreicher erscheinenden Touristen.

Foto: Berislav Župarić

Osmanagić sieht sich nach sechs Jahren Ausgrabungen in der Pyramiden-Theorie bestätigt. Den bisher interessantesten Fund stellt sicherlich das verschüttete Tunnelsystem unter dem „bosnischen Pyramidental“ dar, welches schon auf fast 500 Meter vom Schutt freigelegt worden ist. Die Funde werden auch zur Analyse an europäische Forschungsstätten geschickt – mit anscheinend vielversprechenden Ergebnissen. Die Geschichte von den bosnischen Pyramiden ist also keinesfalls zu Ende erzählt, und für viele ist der Berg Visočica unumkehrbar zur bosnischen Sonnenpyramide geworden.