Sprache als politisches Mittel

Textkasten
aus OWEP 4/2011  •  von Davor Korić

Als Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Unruhen im damaligen Jugoslawien begannen, wurde auch die Sprache ein politisches Thema. Um die Gräben zwischen den Völkern so tief wie möglich zu machen, haben Sprachspezialisten unter dem Einfluss der Politik begonnen, neue Wörter zu erschaffen. Die Sprache, die offiziell „serbokroatisch“ bzw. „kroatisch oder „serbisch“ hieß, erlitt dasselbe Schicksal wie das Land, nämlich den Zerfall.

Linguisten in Bosnien und Herzegowina diskutieren heute darüber, ob es drei verschiedene Sprachen sind oder eine Sprache mit Besonderheiten. Die einen behaupten, die Linguistik definiere genau, dass es sich um eine Sprache handelt, wenn 80 Prozent des Wortschatzes gemeinsam ist, wie es bei den Sprachen in vier der neuentstandenen Staaten auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens der Fall ist. Andere glauben, dass die Sprache eines jeden Volks eine eigene sprachliche Kategorie ist, sodass wir heute statt einer Sprache vier haben: serbisch, kroatisch, bosnisch und montenegrinisch.