Die „Bosnische Kirche“

Textkasten
aus OWEP 4/2011  •  von Zrinka Štimac

Die Bosnische Kirche prägte das bosnische Mittelalter in der Zeit des bosnischen Königreiches vom 12. bis zum 15. Jahrhundert. Dieses religionsgeschichtliche Phänomen ist in Apologetik, Wissenschaft und Literatur bis heute eine unversiegbare Quelle von Inspirationen und Interpretationen.

Obwohl die wenigen erhaltenen Quellen – darunter insbesondere das Batalo-Evangelium und die Sammelschriften des Christen Hval und des Christen Radoslav – diese Kirche eindeutig als christlich einordnen lassen, lassen sich viele Deutungen finden. Die Wissenschaftler deuteten die Bosnische Kirche seit dem 19. Jahrhundert je nach ihrer nationalen und politischen Provenienz und verstanden sie entweder als Teil der römisch-katholischen oder der Serbischen Orthodoxen Kirche, als gnostisch-dualistische Sekte, als Vorläufer der Reformation auf dem Balkan oder – in den letzten Dekaden – als Vorläufer des Islams. Die aktuellste Adaptation ist gegenwärtig in Tuzla zu finden: Dort befindet sich eine offenbar pfingstlerische Gemeinde finnischen Hintergrunds mit dem Namen „Bosnische Kirche“.

Die architektonische Besonderheit des bosnisch-herzegowinischen Mittelalters sind die Grabsteine, genannt stećci. Diese werden mit der Bosnischen Kirche in Verbindung gebracht. Archäologische Überreste sind gegenwärtig in Radimlja, einem Ort in der Herzegowina, sowie im Landesmuseum von Bosnien und Herzegowina in Sarajevo zu finden.