Bildung teilt Bosnien und Herzegowina

Textkasten
aus OWEP 4/2011  •  von Davor Korić

Trotz aller Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, ein Bildungssystem zu schaffen, das nicht zu Diskriminierung, Hass und Misstrauen anderen gegenüber aufstachelt, gibt es heute in Bosnien und Herzegowina drei Bildungsprogramme. Sie stehen vor allem im Dienste nationalistischer Politik und sind so unterschiedlich, dass die Kinder in den Schulen nur das Rechnen auf die gleiche Art lernen.

Obwohl die Vertreter der zuständigen Ministerien aus den Entitäten in Anwesenheit von Abgesandten der Europäischen Kommission und der UNESCO am 10. Mai 2000 eine Deklaration über die Abschaffung der parallelen Systeme in der Bildung und der Segretation (Trennung) in den Schulen unterschrieben haben, lernen die Kinder in der Herzegowina nach dem kroatischen Curriculum, die in der Republika Srpska nach dem serbischen. Die größten Unterschiede gibt es in den Lehrbüchern für Geschichte, Erdkunde und „Mutter“sprache. Die genannte Deklaration wird nur dort beachtet, wo Bosniaken die Mehrheit bilden. So existiert etwa in einigen Lehrbüchern, die in der Republika Srpska gedruckt wurden, Bosnien und Herzegowina gar nicht als Staat, und in Gebieten mit kroatischer Mehrheit lernen die Kinder, dass Kroatien ihre Heimat ist, und singen die kroatische Nationalhymne. Besonders groß ist das Problem für Kinder von heimkehrenden Flüchtlingen und Vertriebenen, die nach dem Curriculum der Mehrheitsnation lernen müssen; es kommt nicht selten vor, dass solche Kinder lieber zu Hause bleiben, als nach einem „fremden“ Curriculum zu lernen.