Troja in der Herzegowina?

Textkasten
aus OWEP 4/2011  •  von Berislav Župarić

An der Mündung des Flusses Neretva in die Adria, in einer Ortschaft namens Gabela, lokalisierte der Mexikaner Roberto Salinas Price vor 25 Jahren nichts Geringeres als die antike Stadt Troja. Diese spektakuläre Behauptung wurde damals von den jugoslawischen Medien dankbar aufgenommen, ohne aber nennenswerte Auswirkungen auf den lokalen Tourismus zu haben. Price, von Beruf Gastronom, ließ sich durch das Ausbleiben einer breiteren Akzeptanz nicht entmutigen und blieb seiner Theorie bis heute treu. Er publizierte drei Bücher zu diesem Thema und bereiste mehrfach die Fundstätte.

Im Fokus seiner Forschung von Price stehen die homerischen Epen, die er wie geografische Karten liest, sodass er die dort erwähnten Berge und Flüsse sowie deren Entfernungen im herzegowinischen Karst zu lokalisieren versucht. Auch sprachliche Ähnlichkeiten der Ortsnamen in Homers Werken mit denen in der Herzegowina führten schließlich zu seiner Überzeugung, dass Heinrich Schliemann unter dem Hügel von Hisarlık Troja nicht habe finden können, da es nicht in der Türkei, sondern in der Herzegowina liege.

Einige Anhänger der Theorie, wonach Homer ein blinder Herzegowiner gewesen sein soll, behaupten auch, dass die kroatische Insel Brač die antike Insel Lesbos sei, und untermauern diese These mit dem Hinweis, dass auf dieser Adriainsel auch heute noch mehr Frauen als Männer leben.