Fußball als Spiegelbild des politischen Zustandes in Bosnien und Herzegowina

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aus OWEP 4/2011  •  von Ivan Korić

Die Fußball-Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina (BuH) hat durch gute Auftritte bei der WM- und EM-Qualifikation ihr internationales Format unter Beweis gestellt, doch der Zustand im Fußballverband spiegelt den politischen und gesellschaftlichen Zustand des Landes wieder. Die Nationalmannschaft besteht überwiegend aus bosniakischen Spielern wie z. B. Edin Džeko, Miralem Pjanić oder Kenan Hasagić, da bosnisch-kroatische und bosnisch-serbische Fußballer lieber für Kroatien bzw. Serbien spielen. Wie in der Politik besitzt der Fußballverband drei Präsidenten, je einen aus den drei konstitutiven Völkern. Der Verband setzt sich zudem aus den beiden eigenständigen Verbänden der Föderation und der Republika Srpska (RS) zusammen.

Im März 2011 wurde der Fußballverband BuHs von der FIFA und der UEFA, die seit langem einen Präsidenten fordern, suspendiert, da die serbischen wie die kroatischen Delegierten bei den Verbandstagungen regelmäßig gegen eine neue Verfassung und gegen einen Präsidenten gestimmt haben. Im vor allem durch Korruption stark verschuldeten bosnischen Fußballverband wurde nach dem Ausschluss ein „Normalisierungskomitee“ mit der Spieler- und Trainerlegende Ivica Osim an der Spitze eingerichtet. Nach Verhandlungen und Gesprächen gelang es ihm, die Delegierten zu überzeugen, für einen Präsidenten zu stimmen; die Suspendierung wurde aufgehoben, sodass die Nationalmannschaft ihre Qualifikationsspiele für die EM 2012 in Polen und der Ukraine wieder aufnehmen kann und die Vereinsmannschaften an den europäischen Wettbewerben teilnehmen dürfen. Kurz zuvor wurde erstmals der Verein Borac Banja Luka aus der RS Fußballmeister von BuH und darf nun an der Qualifikation zur Champions League teilnehmen. Hätten die Delegierten aus der RS wieder gegen die neue Verfassung gestimmt, hätten sie ihre eigene Mannschaft disqualifiziert. Dies mag auch ein Grund für das Umdenken gewesen sein.