Länderinfo: Bosnien und Herzegowina

(Stand: 2011)
aus OWEP 4/2011  •  von Herbert Schedler

Eine aktuelle Fassung der Länderinformation zu Bosnien und Herzegowina finden Sie unter www.renovabis.de/laender-projekte/laenderinformationen/bosnien-und-herzegowina.

Fläche: 51.233 km²

Einwohner: ca. 4 Millionen1

Hauptstadt: Sarajevo

Ethnische Gruppen:
48 % Bosniaken2; 37,1 % Serben; 14,3 % Kroaten; 0,6 % andere (Roma, Juden, Ukrainer usw.)

Geschichtlicher Überblick:
Das Gebiet Bosniens und der Herzegowina („Herzogsland“, südöstlicher Landesteil mit eigener mittelalterlicher Vorgeschichte), seit dem frühen Mittelalter von überwiegend christianisierten slawischen Stämmen bevölkert, geriet im 15. Jahrhundert nach und nach unter osmanische Vorherrschaft. 1878 bzw. 1908 übernahm Österreich-Ungarn die Verwaltung des Landes. 1918 wurde Bosnien und Herzegowina Teil des Königreichs Jugoslawien, nach 1945 eigene Teilrepublik des föderativ gegliederten Staates unter Josef Broz, genannt Tito. Gegen Ende der achtziger Jahre geriet das Land in den Zerfallsprozess des Gesamtstaats. Im Oktober 1991 erklärte sich Bosnien und Herzegowina innerhalb des damaligen jugoslawischen Staatsverbandes für souverän, am 3. März 1992 durch ein Referendum für unabhängig; jedoch wurde dies von den bosnischen Serben nicht anerkannt. Zwischen 1992 und 1995 verwüstete der Bosnienkrieg das Land. Erst das Eingreifen der internationalen Gemeinschaft führte zum Ende der blutigen Auseinandersetzungen. Durch das Abkommen von Dayton (14. Dezember 1995) erhielt das Land die bis heutige gültige komplizierte verfassungsrechtliche Struktur.

Politisches System:
2 Entitäten (Einheiten): Bosnisch-kroatische Föderation (ca. 50 % der Gesamtfläche) und Serbische Republik (ca. 49 % der Gesamtfläche), außerdem Distrikt Brčko (Kondominium beider Entitäten). – Die Föderation Bosnien und Herzegowina ist in 10 Kantone und 79 Gemeinden gegliedert, Sitz der Hauptverwaltung ist Sarajevo. Die Republika Srpska ist in 63 Gemeinden gegliedert, Sitz der Hauptverwaltung ist Banja Luka. – Der Gesamtstaat wird durch eine (schwache) Zentralregierung geleitet. Beide Entitäten verfügen jeweils über eigene Regierungen zur Regelung aller internen Belange.

Zweikammerparlamente (Repräsentantenhaus mit 42 Sitzen, Völkerkammer mit 15 Sitzen) auf der Ebene des Gesamtstaats (ebenso in beiden Entitäten); die letzten Wahlen für das Repräsentantenhaus am 3. Oktober 2010 führten bisher zu keiner Regierungsbildung.

Staatsoberhaupt: dreiköpfiges Präsidium, Vorsitzender ist seit 10. Juli 2011 Željko Komšić, weitere Mitglieder sind Bakir Izetbegović und Nebošja Radmanović.

Vorsitzender des Ministerrats: Nikola Špirić (seit 11. Oktober 2007).

Eine wichtige, mit umfangreichen Rechten ausgestattete Rolle spielt außerdem der durch den Vertrag von Dayton geschaffene „Hohe Repräsentant“, z. Zt. der Österreicher Valentin Inzko.

Ökonomische und soziale Rahmendaten:
Wegen des hohen Anteils an Schattenwirtschaft lassen sich generell kaum genaue Abgaben machen; so liegen etwa für die Arbeitslosigkeit Quoten von 15 % bis 42 % vor. – Zahlreiche administrative Hürden und korrupte Praktiken behindern ausländische Investitionen. Vor dem Krieg war der Bergbau von großer Bedeutung, ist jedoch fast völlig zum Erliegen gekommen. Allerdings sind Fortschritte zu erkennen; so gibt es Niederlassungen von Firmen der Nahrungsmittelindustrie und europäischer Banken. Die ungelöste Frage der Rückkehr von Flüchtlingen sowie die immer noch zunehmende Abwanderung insbesondere junger Leute stellen allerdings für die künftige Entwicklung Bosnien und Herzegowinas eine schwere Hypothek dar.

Kirchliche Strukturen:
Religionszugehörigkeit: 40 % Muslime, 31 % Serbisch-Orthodoxe, 15 % Katholiken, 4 % Protestanten, 10 % andere. – Die römisch-katholische Kirche umfasst das Erzbistum Vrhbosna-Sarajevo mit den Suffraganbistümern Banja Luka, Mostar-Duvno und Trebinje-Mrkan. Dort sind ca. 360 Welt- und Ordensgeistliche tätig, eine wichtige Rolle spielen die Franziskaner (mit eigener Caritas „Antoniusbrot“). Im Land liegen außerdem einige griechisch-katholische Gemeinden. – Sarajevo ist auch Sitz der serbisch-orthodoxen Metropolie und des Oberhaupts der bosnischen Muslime, des Reis-ul-ulema.

Renovabis-Projekte und Schwerpunkte der Förderung:
Die Förderungsschwerpunkte liegen im Aufbau multiethnischer Schulen in kirchlicher Trägerschaft („Schulen für Europa“) und in der Erneuerung der pastoralen Infrastruktur. Wichtig ist daneben die Unterstützung von Existenzgründungen, besonders in der Herzegowina.

Interessante Internetadressen: (letzter Aufruf: 03.12.2015)
* http://www.vijeceministara.gov.ba/ (Ministerrat des Gesamtstaats)
* http://www.carbkbih.org/ (Caritas der Bischofskonferenz)


Fußnoten:


  1. Viele statistische Angaben über Bosnien und Herzegowina sind unsicher. Für die Einwohnerzahl finden sich auch Schätzungen von bis zu 4,6 Millionen Einwohnern. 

  2. Die Bezeichnung „Bosniake“ ersetzt „Muslim“ (= Anhänger des Islams) als Bezeichnung einer ethnischen Gruppe.