Die griechisch-katholische Kirche in der Slowakei

aus OWEP 4/2006  •  von Ján Babjak

Msgr. Ján Babjak SJ ist griechisch-katholischer Eparch von Prešov.

In Oktober 2005 hat am Sitz der griechisch-katholischen Eparchie Prešov1 in der Slowakei die dreitägige Begegnung der griechisch-katholischen Bischöfe Europas stattgefunden. Teilnehmer waren der Großerzbischof von Kiew und Halyč, Lubomyr Kardinal Husar, der Erzbischof und Metropolit der griechisch-katholischen Kirche der Diözese Przemyśl-Warschau in Polen, Jan Martyniak, und neunzehn Bischöfe aus anderen europäischen Ländern.

Bei dieser Begegnung hat P. Prof. Dr. Cyril Vasil SJ, Dekan der Fakultät für Kirchenrecht am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom, einen Vortrag zum Thema „Der Einfluss der neuen kirchlichen Gesetzgebung auf das Leben der östlichen katholischen Kirchen“ gehalten; außerdem sprach er über die Perspektiven der griechisch-katholischen Kirche. Er suchte eine Antwort auf die Frage, welche Varianten für die Entwicklung der griechisch-katholischen Kirche denkbar wären. Seinen Ausführungen zufolge gibt es eine ziemlich pessimistische Variante, jedoch auch eine sehr optimistische Variante. Er kam zu dem Schluss: „ Es ist durchaus möglich, sich eine wahrscheinlich realistische Variante vorzustellen … Die bestehenden griechisch-katholischen Kirchen werden sich allmählich konsolidieren und innerhalb der katholischen Kirche als konkretes Zeichen für die Sehnsucht nach der Einheit begriffen werden. Ihre Legitimität wird künftig nicht mehr in Zweifel gestellt, und das alles wird deshalb geschehen, weil sie mit einer hundertjährigen Treue am Ideal der Einheit der Kirche allen Verfolgungen zum Trotz festgehalten haben.“

Um diese Perspektive zu begreifen, muss man die Wurzeln der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei kennen. Vergangenheit und gegenwärtiges Leben dieser östlichen Kirche sollen im Folgenden kurz skizziert werden.

Historischer Überblick

Das wichtigste und bedeutendste Ereignis in der Geschichte der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei war der Besuch von Papst Johannes Paul II. am 2. Juli 1995 in Prešov. Der Heilige Vater sagte damals in seiner Ansprache u. a. diese Worte: „Die einzelnen Ortskirchen des Ostens wie auch des Westens der einen Universalkirche unterscheiden sich untereinander in der Liturgie, in den Riten, in der Disziplin und im geistlichen Erbe. Sie haben ihre je eigene spezifische Geschichte und Gegenwart.“ Mit den folgenden Ausführungen möchte ich dies für die griechisch-katholische Kirche in der Slowakei etwas näher belegen.

Viele Menschen wollen von uns griechischen Katholiken wissen, wo unsere Wurzeln liegen. Obwohl das griechisch-katholische Bistum Prešov erst im Jahre 1818 gegründet wurde, betrachtet sich die griechisch-katholische Kirche in der Slowakei bewusst als Hüterin des Erbes der Slawenapostel Kyrill und Methodius, das in seinem Kern aus drei wesentlichen Punkten besteht:

  • ostkirchliche Spiritualität
  • Liturgie in der lebendigen Volkssprache,
  • Einheit in Gemeinschaft mit dem Römischen Apostolischen Stuhl.

Kommen wir aber zurück zur Ursprungsgeschichte des Bistums Prešov: Es wurde am 22. September 1818 mit der Bulle „Relata semper“ von Papst Pius VII. kanonisch errichtet. Der administrative Vorgang war sehr lang und schwierig. Als die Eparchie Prešov gegründet wurde, gehörten 194 Pfarreien und fast 150.000 Gläubige zu ihrem Verwaltungsbereich. Der erste Bischof war Gregor Tarkovič (1818-1841). Seine Nachfolger, die Bischöfe Jozef Gaganec (1843-1875), Mikuláš Tóth (1876-1882) und Jan Vályi (1882-1911) haben eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. So entstanden alle notwendigen Bauten und Einrichtungen wie die Kathedralkirche, die bischöfliche Residenz und das Priesterseminar; außerdem entwickelte sich das kirchliche Schulwesen. In der wichtigen Zeit der Geschichte unserer Völker nach dem Zerfall Österreich-Ungarns und während der Bildung der ersten tschechoslowakischen Republik im Jahre 1918 blieb der Bischofssitz unbesetzt, denn Bischof Štefan Novák (1913-1920) legte sein Amt nieder und ging nach Ungarn. Die Leitung des Bistums übernahm vorübergehend Generalvikar Dr. Mikuláš Russak (1918-1922), später Bischof Dionýz Nyáradi von Križevac (1922-1927). Sein Nachfolger auf dem Stuhl von Prešov war Bischof Pavel Peter Gojdič OSBM (1927-1950), der über außergewöhnliche Qualitäten verfügte und in seiner Lebensführung heiliggemäß war. Unter seiner aufopferungsvollen Leitung blühte das Bistum auf. Sein Bischofswahlspruch war „Gott ist die Liebe, lieben wir ihn!“ – und so hat er auch sein seelsorgerliches Wirken verstanden. Der Heilige Vater Johannes Paul II. hat ihn am 4. November 2001 in Rom zusammen mit dem Ordenspriester und Märtyrer Metod Dominik Trcka CSsR selig gesprochen.

Leider brach diese Blütezeit im Gefolge der politischen Umwälzungen in der Tschechoslowakei nach 1948 gewaltsam ab. In dieser schweren Zeit empfing noch im Jahre 1947 Dr. Vasil Hopko die Bischofsweihe und wurde zum Weihbischof ernannt. Papst Johannes Paul II. sprach ihn auf seiner Reise in die Slowakei in Bratislava am 14. September 2003 selig. Die Angriffe gegen die griechisch-katholischen Christen fanden ihren Höhepunkt auf dem genannten „Prešover Sobor“, einer Versammlung am 28. April 1950, in der die griechisch-katholische Kirche in der Tschechoslowakei außerhalb der Gesetze gestellt und damit liquidiert wurde. Die griechisch-katholischen Bischöfe wurden inhaftiert; Bischof Gojdič starb 1960 im Gefängnis. Die Gemeinden wurden zwangsweise in die orthodoxe Kirche eingegliedert. Priester, die ihrer Kirche treu bleiben wollten, wurden zwangsweise von ihren Gläubigen getrennt und mit ihren Familien nach Böhmen ausgesiedelt; dort mussten sie ihren Lebensunterhalt mit schwerer körperlicher Arbeit fristen.

Die griechisch-katholische Kirche änderte notgedrungen ihre Existenzform und ging in den Untergrund. Der „Prager Frühling“ 1968 ließ die Gläubigen zunächst Hoffnung auf Erleichterung der Situation schöpfen, aber die Verbesserung war nur von kurzer Dauer. Die griechisch-katholische Kirche wurde zwar mit Regierungserlass Nr. 70/1968 behördlich wieder anerkannt, ihre Tätigkeit jedoch im Prozess der „Normalisierung“ weiterhin stark eingeschränkt. Mit der kirchlichen Jurisdiktion wurde Msgr. Ján Hirka, apostolischer Administrator mit den Rechten eines Bischofs, amtlich beauftragt (er war zuvor sechs Jahre inhaftiert gewesen und hatte als Elektriker gearbeitet). Trotz dieser schwierigen äußeren Bedingungen lebte die griechisch-katholische Kirche nun wieder auf. Erst nach der politischen Wende im November 1989 kam es dann zu ihrer vollständigen Rehabilitierung. Dies zeigte sich mit der Ernennung von Ján Hirka zum Ordinarius von Prešov. Beim Wiederaufbau im Jahre 1990 musste sozusagen bei Null begonnen werden. So herrschte gravierender Priestermangel, und es gab auch keine theologische Fakultät oder ein Seminar für die Ausbildung des Priesternachwuchses. Weitere wichtige Aufgaben waren die Erneuerung des kirchlichen Bildungswesens, die Förderung der griechisch-katholischen Presse und die Ausweitung der Seelsorge unter den neuen Verhältnissen. Mit dem Schuljahr 1990/91 wurde das Priesterseminar in Prešov wiedereröffnet, und die Theologische Fakultät nahm als Teil der Universität Prešov ihre Tätigkeit wieder auf. Am 11. Januar 1992 ernannte Papst Johannes Paul II. Msgr. Milan Chautur CSsR zum Weihbischof von Prešov.

Nach der Entstehung der selbstständigen Tschechischen Republik im Jahre 1993 wurde für die dort verbliebenen griechisch-katholischen Gläubigen zunächst ein Bischöfliches Vikariat in Prag gegründet, dann am 15. März 1996 ein Apostolisches Exarchat2 mit Sitz in Prag errichtet. An die Spitze des Exarchats wurde Msgr. Ivan Ljavinec berufen. Am 24. April 2003 ernannte Papst Johannes Paul II. Msgr. Ladislav Hučko zum Exarchen von Prag. Das nächste wichtige Ereignis für die griechisch-katholische Kirche in der Slowakei war die Errichtung eines neuen griechisch-katholischen Exarchats mit Sitz in Košice am 21. Februar 1997. Zum ersten Exarchen wurde der bisherige Weihbischof von Prešov, Msgr. Milan Chautur CSsR, ernannt. Im Dezember 2002 hat Papst Johannes Paul II. mich zum Bischof und Ordinarius von Prešov ernannt; er hat mir auch am 6. Januar 2003 in St. Peter in Rom die Bischofsweihe erteilt. Die Übernahme des Bistums fand am 18. Januar 2003 in der Kathedrale von Prešov statt.

Gegenwärtige Situation

Nun möchte ich noch einen kurzen Einblick in die heutige Lage unserer Kirche und einen Ausblick auf die Zukunft geben.3

Unsere Johannes dem Täufer geweihte Kathedrale entwickelt sich immer mehr zu einem Wallfahrtsort. In ihren Seitenkapellen sind die Reliquien der seligen Märtyrerbischöfe Pavel Peter Gojdič OSBM und Vasil Hopko zur Anbetung ausgestellt. Im Kirchenschiff befindet sich neben dem Bischofsthron seit 2003 eine Kopie des Turiner Grabtuches. Die Kathedrale besuchen nicht nur einheimische Gläubige und Pilger, die hier beten und die Sakramente empfangen, sondern auch immer mehr Touristen.

Mit der Kathedralkirche ist die Bischofsresidenz verbunden. 2004 haben wir die dem hl. Josef geweihte Bischofskapelle erneuert und um eine Ikonostase erweitert. Hier befinden sich auch Reliquien der seligen Märtyrerbischöfe Pavel Gojdič OSBM und Vasil Hopko, die in dieser Kapelle sehr oft gebetet haben, sowie die Reliquien des Ordenpriesters und Märtyrers Metod Dominik Trcka CSsR. In einem Verbindungsgang nahe der Bischofskapelle wurde eine Ausstellung zur Geschichte der Eparchie Prešov eingerichtet. Abschnittsweise läuft z. Zt. noch die Rekonstruktion der Residenz.

Seit dem letztem Jahr hat der Apostolische Exarch von Košice in einem neuen Gebäude seinen Sitz, das neben der Kathedralkirche, die der Gottesgebärerin Maria geweiht ist, steht. Die Kathedralkirche bildet zusammen mit dem Pfarramt und den Verwaltungsgebäuden des Exarchats einen architektonisch interessanten Baukomplex. Das Exarchat hat sich inzwischen hervorragend entwickelt, eigene Initiativen erfolgreich ins Leben gerufen (etwa in der Jugendarbeit) und ist damit auf dem Weg zu einer eigenen Eparchie.

In Prešov besteht eine griechisch-katholische Theologische Fakultät an der Universität, an der ungefähr 700 Laientheologen und 64 Priesteramtskandidaten studieren. Inzwischen wurde ein Gebäude des ehemaligen Basilianerklosters als Domizil für die Professoren hergerichtet, in dem seit 2005 fünf Dozenten leben, die von Seelsorgstätigkeit freigestellt sind und sich jetzt ganz der akademischen Tätigkeit widmen können. Geplant ist außerdem der Aufbau einer angemessenen Hochschulbibliothek, die an der Theologischen Fakultät entstehen soll. Ihr Bestand soll zunächst aus Büchern der Theologischen Fakultät, des Priesterseminars und des Bischofsamts aufgebaut werden.

Im Priesterseminar in Prešov bereiten sich für das Priestertum die bereits erwähnten 64 Priesteramtskandidaten vor; 44 gehören zur Prešover Eparchie, 19 zum Exarchat von Košice, ein Priesteramtskandidat studiert für das Exarchat von Prag. Sieben Priesteramtskandidaten befinden sich z. Zt. im Pastoraljahr, das nach dem dritten Jahr des Theologiestudiums stattfindet und in dieser Gestalt vor zwei Jahren eingeführt worden ist. Die Ausbildung zum Priestertum hat sich damit auf sieben Jahre verlängert. Ziel ist es, die Priester für die schwierige und anspruchsvolle Seelsorge der heutigen Zeit bestmöglich vorzubereiten. Während des Pastoraljahrs sind die Priesteramtskandidaten in verschiedenen Bereichen tätig, z. B. in der Bischofsresidenz, in der Schule für hörbehinderte Kinder, in der Caritas, im Hospiz usw., damit sie sich ihrer Berufung noch klarer werden.

In jeder Kirche der Eparchie Prešov sind Opferstöcke aufgestellt worden. Auch wenn wir uns bewusst sind, dass dies allein die Not nicht lindern kann, ist es doch ein Zeichen der Liebe der Kirchengemeinschaft zu den Leidenden. Besonders aktiv ist die griechisch-katholische Caritas in Prešov und Košice. In Prešov engagiert sie sich z. B. in der Pflege der Obdachlosen; in mehreren Pfarreien sind konkrete Projekte, u. a. in der Altenfürsorge, angelaufen.

In der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei hat sich eine gut funktionierende Jugendpastoral entwickelt. Im August 2006 fand schon zum 15. Mal die traditionelle Begegnung der griechisch-katholischen Jugend „Bystra 2006“ statt, an der viermal ungefähr tausend Kinder und junge Leute teilnahmen. Diese Jugendtreffen können auch dank der finanziellen Unterstützung von Renovabis durchgeführt werden. Alle zwei Jahre führen die Eparchie Prešov und das Exarchat Košice Jugendgruppenleiterkurse durch, wo schon Zehnjährige an Leitungsaufgaben in Jugendarbeit und Katechese herangeführt werden, damit sie später die Geistlichen in der Kinder- und Jugendpastoral unterstützen. 2006 wurde ein mitten im Wald gelegenes Gebäude des ehemaligen Schullandheims von Juskova Vola erworben und zum Freizeit- und Pastoralzentrum der Eparchie Prešov umgebaut. Das Gebäude eignet sich für vielfältige Veranstaltungen mit Kindern, mit Jugendlichen und Erwachsenen, muss allerdings noch gründlich renoviert werden.

Jedes Jahr am Palmsonntag treffen sich die Bischöfe mit den jungen Leuten. In Prešov und Košice engagieren sich Geistliche in der Hochschulpastoral. Erwähnen möchte ich außerdem noch Aktivitäten der Pfarreien und Orden, z. B. Musikgruppen und Chöre, Wanderungen, Bibel- und Anbetungsstunden.

Wir sind uns über die Probleme der heutigen Welt im Klaren und möchten deshalb den Eltern bei der christlichen Erziehung und Heranbildung der Kinder und Jugendlichen helfen. Auf dem Gebiet der Eparchie Prešov befinden sich acht griechisch-katholische kirchliche Schulen. Außer dem schon erwähnten Schullandheim gibt es zwei Gymnasien, eine Mittelschule, drei Grundschulen und einen Kindergarten. Auf dem Gebiet des Exarchats von Košice bestehen sechs kirchliche Schulen: ein Gymnasium, zwei Mittelschulen, zwei Grundschulen und ein Kindergarten. Religionsunterricht wird auch an den staatlichen Schulen als reguläres Schulfach erteilt, und zwar nicht nur von Priestern, sondern auch von Ordensschwestern und Laien, die Theologie studiert haben.

In den griechisch-katholischen Pfarrgemeinden in der Slowakei trägt zum geistlichen Leben besonders stark die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu bei, die vor allem mit dem Empfang der Sakramente (Beichte und Kommunion) an jedem ersten Freitag im Monat verbunden ist. Im Rahmen der Neuevangelisierung haben außerdem auch unter den griechisch-katholischen Christen in der positiven Bedeutung des Wortes verschiedene Strömungen der katholischen Kirche eine Heimat gefunden, die den Glauben und die Liebe zur Kirche vertiefen.

Von großer Bedeutung sind seit jeher die Ordensgemeinschaften. In der griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei sind von den männlichen Ordengemeinschaften die Basilianer (OSBM) und die Redemptoristen (CSsR) tätig; daneben sind die Jesuiten (SJ) zu nennen und wohl bald auch die Studiten (MSU). Von den weiblichen Ordensgemeinschaften sind die Schwestern des Ordens von Basilius dem Großen (Basilianerinnen, OSBM), die Dienerinnen der Unbefleckten Jungfrau Maria (SrUE) und die Redemptoristinnen (OSsR) zu erwähnen.

Hervorragend entwickelt hat sich der Bereich der Medien. In Prešov und Košice bestehen Pressezentren, von denen regelmäßig Informationen über das Leben der Kirche weitergegeben werden. Auf diese Weise will unsere Kirche im elektronischen Bereich und in den Printmedien versuchen, sich möglichst offen vielen Menschen darzustellen. Zugleich ist dies aber auch sehr wichtig für das Selbstverständnis der griechisch-katholischen Kirche. Da sie in der Slowakei nur eine kleine Minderheitskirche bildet, ist es erstrebenswert darzustellen, wie sie lebt, wie ihre Vergangenheit und Gegenwart aussieht, welche Pläne und Hoffnungen sie für die Zukunft hat und wie sie das Evangelium in der Welt verkünden will.

Eine wahre Kostbarkeit und ein Anziehungspunkt für die Touristen sind die wertvollen Holzkirchen, deren Ensemble inzwischen zum nationalen Kulturdenkmal erklärt worden ist. Es sind fast dreißig, und sie sind bis jetzt lebendige Kirchen, in denen die Menschen regelmäßig beten. Die Holzkirchen üben einen besonderen Zauber aus. Dank der Hilfe des Kulturministeriums und Finanzhilfe aus dem Ausland können diese Holzkirchen schrittweise renoviert werden.

In der Eparchie Prešov bestehen außerdem einige geistliche Zentren, etwa die Wallfahrtsorte Ľutina, Stropkov, Buková Hôrka, Krásny Brod und Rafajovce. In den vergangenen Jahren sind die Geburtsorte unserer seligen Märtyrerbischöfe in Ruské Pekľany und in Hrabské hinzugekommen. Im Exarchat Košice sind besonders die Wallfahrtorte Klokočov, Sečovce und Michalovce zu nennen.

Ausblick

Im Hinblick auf die künftige Entwicklung möchte ich betonen, dass die Bischofskonferenz der Slowakei die Einrichtung einer Kirchenprovinz für die Slowakei anstrebt. Eine solche Entfaltung für unsere Kirche hat bereits Papst Pius XI. skizziert, als er 1937 bei der Gestaltung der inneren Struktur der Diözesen in der Slowakei unter Angleichung an die Staatsgrenzen zwei Metropolien errichten wollte: je eine für die römisch-katholische und für die griechisch-katholische Kirche. Hinsichtlich der Zahl der Gläubigen ist die griechisch-katholische Kirche in der Slowakei eine Minderheitskirche, sie schaltet sich aber aktiv und vielfältig in das kirchliche und gesellschaftliche Leben ein. Nach der Volkszählung von 2001 gehören zur griechisch-katholischen Kirche 219.831 Gläubige, davon 135.829 Gläubige zur Eparchie Prešov und 84.002 zum Apostolischen Exarchat Košice. Die Eparchie Prešov hat 166 Pfarreien, das Exarchat Košice 91.

Viele Gegebenheiten und Ereignisse im Leben unserer Kirche sind für mich das Zeugnis der Fürbitten unserer Märtyrer. Man kann sagen, dass die Kirche heute die Früchte aus der Zeit der Verfolgung erntet, als sie wegen ihrer Treue zur Einheit der Kirche und zum Heiligen Vater viel gelitten hat. Es sind die Früchte der Qualen unserer seligen Märtyrer und ihrer Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit.

Diese Treue im Leiden und in der Verfolgung ist auch ein explizites Zeichen der Existenzfähigkeit unserer griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei und ein Zeichen, dass die Einheit mit Rom nicht etwas Künstliches und Verkrampftes ist, sondern vielmehr ein lebensfähiges Modell, das aus den Vorstellungen des Kirchenlebens hervorgeht, die die Heiligen Kyrill und Methodius zu den Slawen gebracht haben.

Papst Johannes Paul II. hat dies am 2. Juli 1995 während seines Besuches in Prešov hervorgehoben: „Die heiligen Brüder aus Thessaloniki haben mit ihrer Evangelisierungstätigkeit ein Modell des kirchlichen Lebens ausgearbeitet, das in sich den Reichtum der ostkirchlichen Tradition auf den Gebieten des Rechts, der Liturgie, der Theologie und der Spiritualität mit dem Prinzip der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom verbindet. In der Geschichte gab es schwierige Momente, wo dieses Modell nur sehr schwer durchzuhalten war, das die Verschiedenheit der Traditionen mit der Anforderung der Einheit nach dem Willen Christi für seine Kirche verbindet. Unsere Gegenwart hier ist aber ein klares Zeugnis dafür, wie die Kirche zum ursprünglichen Modell aus der Zeit des Kyrill und Methodius allen Widrigkeiten zum Trotz in Treue verharren kann und somit die Einheit mit der universalen Kirche und mit dem römischen Stuhl erhalten bleibt, der nach dem Willen Gottes ihr Mittelpunkt ist.“

Aus dem Slowakischen übersetzt von Vladimír Pancak.


Literaturhinweise:

  • Ján Babjak: P. Michal Lacko SJ, informátor a formátor gréckokatolíkov. Trnava: Dobrá kniha, 1997. (P. Michal Lacko SJ, Lenker und der Gestalter der griechischen Katholiken.)
  • Katolicka cirkev na Slovensku. (Die Katholische Kirche in der Slowakei). Bratislava: Don Bosco, 2003.
  • Ľubomir Petrik: Prezentácia Gréckokatolíckej cirkvi v elektronických a tlačových médiách na Slovensku v súčasnosti. (Die aktuelle Darstellung der griechisch-katholischen Kirche in elektronischen und Printmedien in der Slowakei). In: Orbis communicationis socialis 2005. Lublin: Norbertinum, 2006.
  • P. Šturak: Dejiny Gréckokatolíckej cirkvi v Československu v rokoch 1945-1989. (Die Geschichte der griechisch-katholischen Kirche in der Tschechoslowakei in den Jahren 1945-1989). Prešov: Petra, 1999.

Fußnoten:


  1. „Eparchie“ ist in den griechisch-katholischen und orthodoxen Kirchen die Bezeichnung für „Bistum“, „Eparch“ für Bischof. Zum historischen Hintergrund folgender Hinweis: Die orthodoxen Christen auf dem Gebiet der östlichen Slowakei (d. h. im Gebiet der später errichteten Diözese/Eparchie Prešov) erkannten 1646 in der so genannten „Union von Užhorod“ (in der Westukraine) den Papst als kirchliches Oberhaupt an. Neben „griechisch-katholisch“ (im Unterschied zur „lateinischen“ katholischen Kirche des Westens) ist auch die Bezeichnung „katholische Kirche des byzantinischen Ritus“ gebräuchlich, da die Liturgie der mit Rom unierten Ostkirchen sich von der griechisch-byzantinischen Tradition herleitet und der orthodoxen Liturgie entspricht. Daneben gibt es weitere Übereinstimmungen mit der orthodoxen Tradition, z. B. die Priesterehe. Vgl. auch Johannes Oeldemann: Die Kirchen des christlichen Ostens. Orthodoxe, orientalische und mit Rom unierte Ostkirchen. (Topos plus, 577). Regensburg 2006, S. 104-131, bes. S. 122-124 (Anm. d. Redaktion). 

  2. Exarchat bezeichnet in den orthodoxen und unierten Kirchen einen kirchlichen Verwaltungsbezirk außerhalb des Stammlandes einer Kirche, also gewissermaßen in der Diaspora. Der Vorsteher heißt entsprechend Exarch (Anm. d. Redaktion). 

  3. Wichtige Hinweise dazu vermittelt der detailreiche Internetauftritt der Eparchie Prešov (http://www.grkatpo.sk).