Krim – Zankapfel zwischen der Ukraine und Russland

Textkasten
aus OWEP 4/2014  •  von Christof Dahm

Dr. Christof Dahm ist Mitglied der Redaktion der Zeitschrift OST-WEST. Europäische Perspektiven.

Die im Norden des Schwarzen Meeres gelegene Halbinsel Krim, über eine Landenge1 mit dem (ukrainischen) Festland verbunden, umfasst ca. 27. 000 km² mit einer Bevölkerung von ungefähr 2,3 Millionen Menschen (ca. 60 % Russen, 25 % Ukrainer, 12 % Krimtataren u. a.). In der Antike hieß die Halbinsel „Tauris“ und war von Skythen, später Griechen besiedelt. Im 13. Jahrhundert wurde sie durch die Mongolen (Tataren) erobert und trägt seither den Namen „Krim“ (mongolisch „Festung“). Zum Russischen Reich kam das Gebiet im 18. Jahrhundert (endgültige Annexion unter Zarin Katharina II. 1783). Durch Ansiedlung russischer Kolonisten ging der Anteil der muslimischen Krimtataren an der Bevölkerung zurück. 1944 wurden die Tataren gewaltsam deportiert, 1945 ihre 1921 gegründete Autonome Republik aufgelöst. 1954 wurde die Krim an die Ukraine angeschlossen. Nach der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 erhielt die Hafenstadt Sewastopol wegen der dort stationierten russischen Schwarzmeerflotte einen Sonderstatus, der jedoch zur Quelle wiederholter Streitigkeiten zwischen der Ukraine und Russland wurde.

Während der innenpolitischen Krise der Ukraine 2013/14 spitzten sich die Konflikte zwischen Russen und Ukrainern auf der Halbinsel zu und mündeten am 16. März 2014 in eine Volksabstimmung über den Status der Krim ein, in dem sich die Mehrheit der Bevölkerung für einen Beitritt zur Russischen Föderation aussprach; der Vertrag wurde von russischer Seite durch den Föderationsrat in Moskau am 21. März 2014 ratifiziert. Dieser Schritt wird jedoch von der Ukraine und dem größten Teil der internationalen Staatengemeinschaft als völkerrechtswidrig betrachtet.


Fußnote:


  1. Die Skizze gibt nur die groben Umrisse der Halbinsel Krim wieder; so ist die Landenge (gestrichelte Linie) in der Wirklichkeit wesentlich schmäler.