Majdan (Nezaležnosti)

Textkasten
aus OWEP 4/2014  •  von Sören Runkel

Sören Runkel ist katholischer Theologe und arbeitet als Gemeindeassistent in der KSHG Münster.

Gelegen zwischen der Altstadt mit ihren prunkvollen Sakralbauten und dem Regierungsviertel (Lypky) befindet sich der Majdan Nezaležnosti ganz im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt. Dabei wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem damaligen „Ziegensumpf“ ein Platz, der durch den Bau der städtischen Kiewer Duma (1876) schnell an Bedeutung gewann. Seine heutige Gestalt erhielt er anlässlich des 10. Jahrestages der Unabhängigkeit der Ukraine, der er auch seinen jetzigen Namen verdankt: Platz der Unabhängigkeit. Seine geläufige Kurzform Majdan, die zu der seltsamen Wortschöpfung „Majdan-Platz“ in den deutschen Medien führte, heißt an sich schon Platz.

Foto: Sören Runkel

Die ukrainische Sprache bedient sich hier eines arabischen bzw. persischen Fremdwortes (im Kontrast zur slawischen plošča). Unter maydān/meydan versteht man einen Platz (z. B. der Tahrir-Platz in Kairo, Maidān at-Taḥrīr) oder eine freie Fläche, die für Märkte, Attraktionen sowie in Südasien auch zum Abhalten von Militärparaden gedacht ist. Neben dieser räumlichen Bedeutung steht das ukrainische Majdan auch symbolisch für die Bewegung, die ihren Ursprung auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew hatte. In diesem Sinne wird es beim Euromajdan und Automajdan verwendet.