21. Februar 2018

Aus der OWEP-Redaktion

Auch wenn wir uns kalendarisch allmählich dem Frühling nähern, ist festzustellen: Der Winter hat weite Teile Deutschlands immer noch fest im Griff, wie der Blick aus meinem Bürofenster zeigt. Frostige Stimmung liegt leider auch immer noch über dem politischen Europa, denn die Diskussionen über die künftige Entwicklung der Europäischen Union, die das Jahr 2017 geprägt haben, bestimmen weiterhin die Bühne in den europäischen Hauptstädten. Da sich in diesem Jahr das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt, legen sich im Zusammenhang mit der Erinnerung an das Jahr 1918 Vergleiche der damaligen Lage Europas mit der heutigen Situation nahe. Viele aktuelle Probleme gehen auf die Veränderungen der europäischen Landkarte zurück, die das Ergebnis der Friedensschlüsse nach dem Ersten Weltkrieg („Pariser Vorortverträge“) waren. Anstelle eines dauerhaften Friedens legten sie vielfach den Keim für neue Auseinandersetzungen, die letztlich in die noch größere Katastrophe des Zweiten Weltkriegs einmündeten.

Das aktuelle Heft „Weichenstellungen in Europa“ greift diese Zusammenhänge auf und bietet reichlich Stoff zum Vergleich zwischen den damaligen und heutigen Dissonanzen in Politik und Gesellschaft. Im Mai dieses Jahres wird die Ausgabe „Wege zur Versöhnung“ erscheinen, die thematisch auf den letzten Heften aufbaut und anhand einiger Beispiele (darunter Deutschland/Polen, Bosnien und Herzegowina und Albanien) darlegen wird, wie schmerzhaft noch immer die Folgen der Verletzungen zwischen Individuen und Völkern in Europa sind, die das 20. Jahrhundert mit zwei Weltkriegen und zahlreichen anderen Konflikten verursacht hat. „Versöhnung“ und „Aussöhnung“ sind langwierige Prozesse, und nicht immer gelingen sie, wie das Heft zeigen wird.

Christof Dahm